Sieg des autoritären Charakters

„Wart, bisd beim Bundesheer bist, da werns da die Wadeln scho virerichten!“ Das war ein stehender Spruch meiner Großmutter. Daran hat sich offensichtlich bis heute nichts geändert. Denn die „heutige Jugend“ soll heute eben genauso parieren lernen wie damals, als ich zur „heutige Jugend“ zählte. Und der Spruch von der „heutigen Jugend“, die nichts tauge, und die man noch weiter erziehen lassen müsse, am besten durch irgendein autoritäres Institut, ist ja leider noch viel älter. Und das war wohl auch jetzt einer der Hauptbeweggründe, warum man nicht auf die „Schule der Nation“ verzichten wollte. Die Umfrageergebnisse von SORA, wonach vor allem Ältere für die
Beibehaltung der Wehrpflicht waren, dürften wohl einen wahren Kern haben, auch wenn man solche Daten immer mit Vorsicht genießen sollte.

Die Angst vor einer NATO-kompatiblen und bürgerkriegstauglichen Armee hat vielleicht ein paar Linke zu einer Entscheidung für die Wehrpflicht getrieben, aber von Bedeutung war das nicht. Ebensowenig hatte auch der Aufruf von Teilen der Friedensbewegung, bei der Volksbefragung ungültig zu stimmen, einen wahrnehmbaren Impact. 2,5% Ungültigstimmen, von denen man auch nicht Bestimmtheit sagen kann, warum sie nicht gültig waren, ist nicht berauschend.

Eine Bedeutung hatte allerdings die Angst vor dem Ende des
Zivildienstes. Aber auch hier zeigt sich der autoritäre Charakter: Von der Jugend erwartet man sich eine Leistung für „die Gemeinschaft“, die in diesem Land leider immer noch mit dem Staat verwechselt wird. „Die Jugend soll erst einmal was leisten!“ Nach den Umfragen waren vor allem ältere Männer, die selbst Wehr- oder Zivildienst geleistet haben, für die Dienstpflicht. Warum sollte auch den heutigen jungen Männern etwas erspart bleiben, was man selber hatte tun müssen? „Als ich so alt war wie du, da hab‘ ich schon…“ Ja, auch den Spruch haben schon Generationen gehört. Und deswegen müssen auch weiterhin junge Männer zu Jungmännern gemacht werden — oder als staatlich verpflichtete Sklaven schuften. Daß ausgerechnet viele sozialdemokratische Gewerkschafter, die ansonsten immer davon reden, daß die Arbeitsrechte geschützt werden müßten, sich dafür eingesetzt haben, entgegen der Parteilinie für einen Erhalt einer solchen Lohndrückerinstitution zu stimmen, sagt schon einiges.

Es gab für jede der vier Wahlmöglichkeiten (Wehrpflicht, reines Berufsheer, ungültig stimmen oder der Urne fernbleiben) ehrenwerte linke, wenn auch nicht immer realitätsnahe, Gründe. Ausschlaggebend waren sie aber alle miteinander nicht. Ausschlaggebend war der schwarzbraune, militär- und autoritätsverliebte Hoch- und Deutschmeistersumpf, in dem wir hierzulande leider immer noch bis zum Hals stecken.

Bernhard Redl

Umfragen:
http://www.sora.at/themen/wahlverhalten/wahlanalysen/vbfrg-13.html

Detailergebnisse der Volksbefragung:
http://orf.at/wahl/volksbefragung13/

*************************************************
‚akin – aktuelle informationen‘
a-1170 wien, Lobenhauerngasse 35/2
vox: ++43/1/535-62-00
(anrufbeantworter, unberechenbare buerozeiten)
http://akin.mediaweb.at
akin.redaktion@gmx.at
Bankverbindung lautend auf: föj/BfS,
Bank Austria, BLZ 12000,
223-102-976-00, Zweck: akin

Ein Gedanke zu „Sieg des autoritären Charakters

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s