WKR-Gewaltdebatte

Diskussionbeitrag von auf uebermorgen.at, hier im Reblog

Quelle: http://www.uebermorgen.at/wir-sind-friedlich-was-seid-ihr/

Wir sind friedlich, was seid ihr?

Die #nowkr-Demonstrationen am Freitag waren weitgehend friedlich. Einige Szenen sollten der Linken aber trotzdem zu denken geben.

Auf einmal steht ein Pärchen in Frack und Abendkleid mitten unter den DemonstrantInnen vor der Albertina. Ein Aufschrei geht durch die Menge, von allen Seiten laufen Menschen auf sie zu. Viele sind ganz in Schwarz gekleidet, einige vermummt. Sie tragen Bierdosen, Fahnenstangen, schreien: „Nazis raus! Nazis raus!“

Ein einzelner behelmter Polizist versucht die Beiden schnell zu einer 100 Meter entfernten Polizeilinie zu führen. Sie kommen nicht durch, drehen nach rechts ab, hetzen über den Platz zu einer anderen Absperrung. DemonstrantInnen verfolgen sie schreiend, vereinzelt fliegen Bierdosen. Der Frau ist ihre Angst deutlich anzusehen. Ein Vermummter schnappt sich einen Schlauch neben einem Hydranten und bespritzt die Drei mit Wasser.

Als die Flüchtenden von den PolizistInnen hinter der Absperrung gesehen werden, sprinten ein paar BeamtInnen auf sie zu, drängen die DemonstrantInnen ab. Eine Glasflasche fliegt in hohen Bogen über die Absperrung. Die Menge beginnt zu skandieren: „Wir sind friedlich, was seid ihr? Wir sind friedlich, was seid ihr?“

Über 3.000 Menschen demonstrierten gestern gegen den Akademikerball der FPÖ in der Hofburg. Von den OrganisatorInnen wurde stets betont, dass es ein friedlicher Protest werden sollte. Die meiste Zeit war er das auch. Die meiste Zeit.

Denn Szenen, wie die am Albertinaplatz, haben mit friedlichem Protest, mit friedlichen Blockaden nichts zu tun. Menschen schreiend und mit erhobenen Fahnenstangen über einen Platz zu jagen, sie mit Dosen zu bewerfen und eiskaltem Wasser zu bespritzen, ist ganz sicher nicht friedlich. Und sowohl die OrganisatorInnen als auch jedeR einzelne DemonstrantIn sollten in Zukunft alles dafür tun, solche Szenen zu vermeiden.

Gelingen wird das aber nur, wenn die Linke dieses Problem ehrlich und öffentlich diskutiert. Bis irgendwann allen klar ist, dass so ein Verhalten nicht akzeptabel ist. Egal wem man gegenübersteht. Denn auch wenn politische GegnerInnen diese Diskussion nutzen können (und werden), um einen insgesamt friedlichen Protest schlechtzumachen, ist sie notwendig, wenn man weiterhin die moralische Überlegenheit gegenüber den menschenverachtenden rechten Ideologien bewahren will.

Nachtrag: Die FPÖ hat heute ein Video von dem oben beschriebenen Vorfall auf Youtube gestellt.

 

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