Zum Frauentag: Gleichberechtigter Kapitalismus als Ziel?

Gleichberechtigter Kapitalismus als Ziel?

Wie jedes Jahr finden auch heuer bundesweit am 8. März zahlreiche Veranstaltungen statt, die auf die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft aufmerksam machen, von bunten Demos über Kongresse bis zu Frauenfilmabenden kann sich jede Frau beliebig ihren Wünschen gemäß ein Programm zusammenstellen, um den internationalen Frauenkampftag zu zelebrieren.

Über Parteigrenzen und weltanschauliche Grenzen hinweg lautet der Tenor, Diskriminierung und Benachteiligungen in wirtschaftlichen Zusammenhängen, im politischen Leben, im gesellschaftlichen Bereich, im öffentlichen wie im privaten Raum nicht mehr hinnehmen zu wollen. Die Forderungen zahlreicher Frauen und Frauenorganisationen orientieren sich an Gleichstellung, am Durchbruch durch die sogenannte gläserne Decke, die Frauen an Karrieren hindert, weil Männerseilschaften, oft genug geformt über Männerbünde wie zum Beispiel Burschenschaften hier Frauen gegenüber eine schier unüberbrückbare Mauer aufbauen. Bei all dieser berechtigten Kritik und den aus ihr erwachsenden Forderungen wird allerdings nur die patriarchale Struktur des kapitalistischen Gesellschaftssystems in Frage gestellt, nicht der Kapitalismus selbst, der Männer wie Frauen als verwertbare Verschubmasse ansieht, zu Ausbeutung, Unterdrückung, Armutsgefährdung, Verarmung und Verelendung führt. In einem System der Ungleichheit, welches einem Bruchteil der Menschheit die Macht über die Ressourcen, die Möglichkeit unermässlichen Reichtums zuspricht, während die Mehrheit der Menschen am Existenzminimum und in Armut lebt, ist es irrelevant, ob die handelnden Personen in den Machtpostitionen Frauen oder Männer sind. Die Welt wird nicht besser, wenn eine Frau Staatschefin Großbritanniens wird oder wenn ein Mann nicht weißer Hautfarbe Präsident der Vereinigten Staaten wird, Um es mit Bert Brecht zu sagen: „Wärst Du nicht reich, wär ich nicht arm“.

Ich habe persönlich gar keine Lust darauf, dieselben Möglichkeiten wie Männer in Machtstrukturen zu erhalten. Ich mag gar nicht Priesterin werden oder Päpstin, denn die Kirche hat sich an der Menschheit dermaßen ausgetobt, dass diese Institution wohl eher als entbehrlich anzusehen ist, beziehungsweise zwingend abzuschaffen ist. Ich mag auch nicht Offizierin oder Generälin in einer Armee werden, deren Aufgabe und Handwerk das Töten ist. Ich mag auch nicht Politikerin werden, um als Hampelmann (in dem Fall Hampelfrau, aber das Wort gibt es noch nicht) die Befehle mächtiger Wirtschaftskonzerne auszuführen, die auf der ungleichen Verteilung des Reichtums bestehen. Ich habe auch keine Lust, dem Ruf nach Vollbeschäftigung für Männer und Frauen Folge zu leisten, auch wenn sie Kinder haben möchten, denn es könnte auch sein, dass sich die betreffenden Eltern gerne mit ihren Kindern beschäftigen wollen.

Das gesellschaftliche System, in dem wir leben ist erbarmuslos. Es lässt Menschen krank werden, setzt Männer wie Frauen unter Druck. Ich möchte in einer Welt ohne Krieg, Gewalt und Ausbeutung leben, in einer Welt, die jedem Menschen die gleichen Chancen, alle Entwicklungspotentiale zu nutzen und zu entfalten bietet, in der sich die Menschen solidarisch aufeinander beziehen. Das ist das Gegenteil der Forderung, als Frau selbst an den Machthebeln zu sitzen, es ist die Sehnsucht, die Machthebel abzuschaffen.

rosalia krenn

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s