Noch ein Mai-Aufruf: Arbeit nervt!

Rebloged von: http://www.junge-linke.at/article.php/arbeit-nervt-

Arbeit nervt!

Oder: warum Lohnarbeit niemals „sozial gerecht“ sein kann.

Aufruf der Jungen Linken zum 1. Mai 2013.

Seit nunmehr über hundert Jahren gehen linke Organisationen am 1. Mai auf die Straße. Warum eigentlich?

Am 1. Mai 1886 streikten in Chicago Fabrikarbeiter_innen, um eine Arbeitszeitverkürzung auf acht Stunden pro Tag durchzusetzen. Fabrikbesitzer und Polizei reagierten mit äußerster Brutalität, die mindestens 30 Menschen das Leben kostete, weitere 7 wurden später wegen ihrer Beteiligung am Streik hingerichtet.

Natürlich ist es wichtig, an solche Ereignisse zu erinnern – schließlich wirken sie bis in die Gegenwart nach und sorgen bis heute dafür, dass es uns Lohnabhängigen zumindest ein bisschen besser ergeht als damals. Zudem wird versucht, im Zug der Krise und EU-weiten Sparpolitik selbst diese Errungenschaften immer weiter zu beschneiden. Sie zu verteidigen und zumindest eine weitere Verschlechterung der Situation zu verhindern sehen wir als unsere Pflicht!

Aber: für uns ist der 1. Mai mehr als Traditionspflege oder Selbstlob. Wir wollen auch nicht „Vollbeschäftigung“ oder mehr Lohn, sondern wir haben ein ganz grundlegendes Problem mit dieser Sache „Lohnarbeit“.

Im Kapitalismus müssen alle Menschen, die nicht selbst Unternehmen oder große Vermögen besitzen, also die ganz große Mehrheit, ihre Arbeitskraft verkaufen, um leben zu können – Miete bezahlen, Essen kaufen, wenn man das Glück hat, einen etwas weniger beschissen bezahlten Job zu haben, geht sich vielleicht sogar der ein oder andere Urlaub aus.

Doch auch die Lohnarbeit ist nur ein Teil des Problems. Reproduktive Arbeiten, also kochen, putzen, Kinderbetreuung usw. sind Tätigkeiten, die meist untentgeltlich und hauptsächlich von Frauen* übernommen werden. Frauen* wurden mit der Durchsetzung des Kapitalismus in die „private“ Sphäre, also die häusliche Umgebung, gedrängt, während Männern* die „öffentliche“ Sphäre wie Wirtschaft, Politik, etc. zugeschrieben wurde. Dieser Mechanismus stellt die andere Seite der kapitalistischen Lohnarbeitsmedaille dar und es ist notwendig, beide gleichermaßen zu bekämpfen! Wir wollen kein Stück vom Kuchen, sondern die ganze verdammte Bäckerei!

Denn egal was du arbeitest, ob an der Kassa im Supermarkt, als Bauarbeiter_in, Kellner_in, Hilfswissenschaftler_in an der Uni oder sonst etwas, eines ist dabei immer gleich: du erhältst als Lohn nicht den „Wert“ der Ware, die du herstellst , der Dienstleistung oder des Wissens, die du anbietest, sondern nur einen kleinen Anteil davon, der so gering wie möglich gehalten wird. Den Rest behalten die Arbeitgeber_innen. Einen Teil davon investieren sie, beispielsweise in neuere Technik, aber so viel wie möglich behalten sie für sich selbst. Wenn also behauptet wird, Leute wie Frank Stronach seien durch Arbeit reich geworden, dann stimmt das sogar – aber es ist nicht ihre Arbeit, sondern unsere! Solche Einzelpersonen oder ihre „Gier“ für die aktuellen Zustände verantwortlich zu machen, wäre allerdings falsch. Unternehmen müssen im Kapitalismus ihren Profit maximieren, sonst bleiben sie nicht konkurrenzfähig. Das heißt:

Ein solches System kann man nicht „fair“ oder sozial gerecht gestalten. Fair, sozial und gerecht geht nur in einem Wirtschaftssystem, in dem niemand andere für sich arbeiten lassen kann, in dem Betriebe jeglicher Art von den dort arbeitenden Menschen selbst verwaltet werden. Diese Art von Arbeit machen wir gerne, aber bis es soweit ist, bleiben wir dabei: Arbeit nervt!

In diesem Sinn rufen wir zur Teilnahme an der 1. Mai-Demonstration in Wien (Treffpunkt 10 Uhr an der Albertina) und der Mayday-Parade (Treffpunkt 14 Uhr am Yppenplatz) auf!

ARBEIT NERVT – WIR NERVEN BESSER!

http://mayday-wien.org/
http://wien.kpoe.at/article.php/aufruf-zur-demonstration-am-1–mai-2013

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