Glosse: Schwarze Zukunft für die Grünen

Jetzt ist es also soweit — die Grünen sind bereit für Schwarz-Grün auf allen Ebenen. Die bisherigen Experimente sind ja recht unterschiedlich ausgegangen. Während die Grazer Stadtkoalition sich ja eher als ein „So nicht“ herausgestellt hatte, war die Koalition in OÖ sehr erfolgreich — wenn man Regierungsstabilität und Reduktion der Grünen auf Ökothemen und ansonstige Willfährigkeit als Erfolg verstehen will.

Genau das ist der Weg: Das Abschneiden der letzten linken Fransen. Das erreicht man heute viel weniger dadurch, daß man Linke weiter aus der Partei ekelt, sondern in dem man im Wahlkampf auf sozial- und wirtschaftspolitische Themen verzichtet. Das zentrale Plakat im Salzburger Wahlkampf zeigte ein Bündel Karotten mit dem Slogan: „Wir pflanzen Bio. Keine Wähler.“ Auch Eva Glawischnig nannte vorletzte Woche im Mittagsjournal zwei Themen als zentral: „Transparenz“ und „Bio-Landbau“. Das sind zwei Themen, mit denen man zwar auch die Pestizid- und Freunderl-Partei ÖVP etwas herausfordern kann, aber lange nicht so schlimm, wie wenn man Sozialstaat und Reichensteuer zum Thema machte. Und es ist auch Chancenoptimierung: Die seit zwei Jahrzehnten von Meinungsforschern ausgemachten 20% Wählerpotential scheinen mit dieser Thematik nun ausschöpfbar. Denn genau mit diesen Themen gingen vor allem die Kärntner und die Salzburger Landtagswahlen so mandatsmäßig erfolgreich für die Grünen aus.

Zu Redaktionsschluß war Schwarzgrün in Tirol schon für fix ausgemacht erklärt, in Salzburg ist der mediale Druck, mit ÖVP und entweder der Stronach-Partei oder der SPÖ, die wohl zu jeder Koalition ja und amen sagen werden, wenn sie nur drin vorkommen, enorm. Die „Salzburger Nachrichten“ machten am Montag auf mit „Mehrheit der SN-Leser will Schwarz-Grün in der Regierung“ und schoben gleich noch einen Kommentar hinterher, wonach das Angebot der SPÖ zu einer Koalition mit den Grünen samt Stronach ein „unmoralisches“ wäre.

Auch im Bund geht die veröffentlichte Meinung in diese Richtung: Hans Rauscher meinte im „Einserkastel“ des „Standard“, Glawischnig solle nicht weiterhin ein „Zusammengehen mit der ÖVP fast aggressiv“ ausschließen. Woraus Rauscher diese „aggressive“ Ablehnung schließt, muß wohl sein Geheimnis bleiben, klar ist aber, welche Regierung sich der Chefkommentator der rosa Wirtschaftszeitung wünscht. Auch der „Kurier“ bejubelte die aktuellen Frontleute der Landesgrünen unter dem Titel „Im Porträt: Neue Gesichter des Grünen Erfolgs“. Motto: Das sind ja gar keine weltfremden Spinner mehr, sondern sachpolitisch orientierte Vernunftmenschen. Und vor allem keine Linken! Im Raiffeisen-Blatt heißt es da etwa über die Tiroler Obfrau Ingrid Felipe: „Im Dirndl zum Ball des ÖVP-Bauernbundes? Für die 34-Jährige ist das kein Problem – selbst wenn Hardliner in der Partei die Nase rümpfen.“ Na, Gott sei dank haben diese bärbeißigen linken Spaßbremsen nichts mehr bei den Grünen zu reden. Oder so.

In Kärnten ist die auch moralisch angepatzte ÖVP so schwach, daß die Grünen doch auf die Sozialdemokratie setzen mußten, in Pröllistan braucht der Alleinherrscher niemand für eine Mehrheit. Aber in Tirol und Salzburg kommen die Grünen der ÖVP gerade recht. Den lustigen Stronach kann man da notfalls auch gebrauchen. Auch wenn Glawischnig jetzt noch sagt, Stronach ginge auf Bundesebene so gar nicht, so wird man wohl nach der Wahl im Herbst weiterreden können. Letztendlich bleibt: Das Modell Schwarz-Grün mit oder ohne Beiwagerl erscheint als ein gangbarer Weg für die Bildung der nächsten Bundesregierung. Herr Rauscher darf sich freuen.

Bernhard Redl

Cartoon: Much – aus akin 33/2002 zu den damaligen schwarzgrünen Verhandlungen

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