Debatte/Archiv: Stadtluft macht frei!

In akin 12/2012 erschien zur damaligen Besetzungsaktion von SoliLa! ( http://solila.blogsport.eu/ ) ein Kommentar, der leider nicht zu einer Debatte führte. Daher sei diese Kritik anläßlich der heutigen Räumung der diesjährigen Besetzung hier noch einmal gepostet. Vielleicht gibt es ja diesmal Reaktionen:
*

Der ideologische Hintergrund der SoliLa! macht mir etwas zu schaffen. Obwohl es mir sympathisch ist, Raum zu okkupieren, und ihn einer öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen, stellt sich die Frage, was die Konsequenz aus den sehr speziellen Forderungen dieser Aktion ist. Denn der Protest gegen eine Monokultur des Wohnbaus ist zwar sicher angebracht — ausgesprochene Schlafstädte sind kulturelle Einöden und soziale Sprengsätze –, so ist eine Durchmischung ausgerechnet mit Agrarkultur völliger Unsinn. Denn Landwirtschaft braucht viel Platz — und der ist in einer Stadt, die als solche funktionieren soll, sehr knapp. Die wenigen Grünflächen, die hier vorhanden sind, sollten als Nah- und Nächsterholungsgebiete genutzt werden — Salathäuptln würden das nicht möglich machen. Was stellen sich die SoliLas da so vor? Noch stärker zersiedelte Stadtränder als eh schon vorhanden? Oder gar Agrarflächen in Zentrumsnähe? Was wir dann bekämen, wäre etwas, was man kaum mehr als Stadt ansehen könnte, denn das Wesen einer Stadt ist nunmal die dichte Besiedlung. Nur so können die Wege kurz gehalten werden — „Städte“ der langen Wege kennen wir so manche beispielsweise in den USA; Vorstädte, wo jeder sein Häusl mit viel Grün rundherum hat, und ein Leben ohne Auto einfach nicht mehr denkbar ist!

Ehrlich: Ich bin ein begeisterter Städter, weil in diesem Ballungsraum Wien rund 2 Millionen Menschen leben und dennoch ich fast jeden meiner verstreut lebenden Bekannten, Freunde und Kunden ohne große Anstrengung mit dem Fahrrad erreichen kann. In diesem kleinen Gebiet leben mehr Menschen als in NÖ und ich bin auch froh, daß mir die Stadtluft zu einer gewissen Freiheit verhilft — und die große Bauernpartei hier kein Leiberl hat. Daher eine große Bitte an SoliLa: Macht eure agrokulturellen Provokationen von mir aus auch in der Stadt, aber verbreitet keine antiurbanen Vorstellungen…

Bernhard Redl

 

*************************************************
‚akin – aktuelle informationen‘
a-1170 wien, Lobenhauerngasse 35/2
vox: ++43/1/535-62-00
(anrufbeantworter, unberechenbare buerozeiten)
http://akin.mediaweb.at
akin.redaktion@gmx.at
Bankverbindung lautend auf: föj/BfS,
Bank Austria, BLZ 12000,
223-102-976-00, Zweck: akin

Advertisements

Ein Gedanke zu „Debatte/Archiv: Stadtluft macht frei!

  1. Gartenarbeit ist Erholung im Urbanen. Vielleicht haben die Städter es vergessen, dass Erholung nicht alleine aus Nixtun bestehn kann, es gehören dazu die drei ER, nämich Erleben, Erholung und Erfolg. Das ist bei solcher kleinräumiger Gartenwirtschaft, wie die SOLILA das betreiben genau das jenige. Es war befriediugend, anzuschauen, wie diese jahrzehnte unkratdurchwachsene schwarze Erde zu Pflanzbeeten gestaltet wurden und die gesetzten Pflanzen mit dem klaren Brunnenwasser geschöpft und gegossen wurden.
    Da war der selbstgekochte Eintopf mit Genuss gegessen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s