Kundgebung wegen tödlicher Schüsse: 21. Juni

Es fehlen die Worte

Mittwoch, 19. Juni 2013 @ 12:03
(Quelle: http://wien.kpoe.at/article.php/es-fehlen-die-worte )

Wenn Unfassbares geschieht, dann fehlen oft die Worte, die dem Geschehenem einen Sinn zuzuordnen können und übrig bleibt ein leerer Raum mit Fragen. So geschehen am 7. Juni in Wien Liesing, wo Gerhard Amhofer von Wega-Polizisten mit mehreren Pistolenschüssen aus dem Leben gerissen wurde.

Welche offenen oder verdeckte Strukturen und vor allem welches Menschenbild in der Exekutive kommen hier zum Ausbruch, wenn 8 Exekutivkräfte durch ihre bewusste Handlung eine Situation herbeiführen, die für sie selbst zu einer Bedrohung wird?

Als Gerhard Amhofer – nach vorangegangenem Bedrohungsszenarium, bei dem es zu keinem Schaden gekommen ist – nach Erscheinen der Exekutive in seine Wohnung flüchtete, ging von ihm weder eine Bedrohung für die Arbeiter, die mit der Haussanierung beauftragt waren, noch für die Exekutivkräfte vor Ort aus.

Von Gerhard Amhofer war wohl auch bekannt, dass er eine schwere psychische Erkrankung hatte, die in Zusammenhang mit einer Ausnahmesituation wohl zu einem Ausbrüch führen hätte können. Aber was führt acht Exekutivkräfte, die an keiner psychischen Erkrankung leiden, dazu, sich in eine Lage zu versetzen Gewalt bis hin zum exzessiven Schusswaffengebrauch als primären Lösungsansatz zu sehen?

Die Pressesprecherin der Polizei erklärte das Vorgehen der Exekutivkräfte äußerst professionell, in dem sie das Messer von Gerhard A. als nicht zu unterschätzende Waffe (ca. 7cm Klinge), durch welche die meisten tödlichen Verletzungen verursacht würden, bewertete.

Was aber nicht erklärt wurde ist folgendes: da sich Gerhard Amhofer bereits in seine Wohnung zurückgezogen hatte, bestand weder für die Exekutivkräfte noch für sonst jemand unmittelbare Gefahr.

Warum hat man z.B. nicht zuerst auf Deeskalation gesetzt und weiters geschulte Kräfte angefordert?

Warum wurde nicht angemerkt, dass es sich bei den WEGA-Kräften um Menschen mit einer umfassenden Ausbildung und Ausrüstung handelt, die auch dazu in der Lage sind, einen Angreifer mit einem Messer ohne Schusswaffengebrauch festzusetzen? Das lässt nicht nur die Tat der Wega-Beamten sondern auch das Gesellschafts- und Menschenbild der hierfür Verantwortlichen hinterfragenswert erscheinen.

Percy

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Hintergrund-Info: Halt der Polizeigewalt

Unser Freund Gerhard Amhofer wurde am 7. Juni von der WEGA mit 13 Schüssen ermordet. Wir sind traurig, besorgt und wütend.

Die Geschichte in Kurzfassung: 8 alarmierte WEGA-Beamte versuchen mit einem Rammbock die Wohnungstüre zu öffnen. Plötzlich sei aber – so die bisherigen Informationen – die Türe ruckartig aufgegangen, der Mann sei mit dem Messer auf die Sondereinheit losgegangen. Einen Polizisten hat Gerhard A. mit dem Messer getroffen. Die Schutzweste verhinderte jedoch, dass der Beamte verletzt wurde. Vier Polizisten zogen daraufhin ihre Dienstpistolen und feuerten. Unglaubliche 20 Schüsse wurden auf Gerhard abgefeuert.

Gerhard Amhofer wurde – soweit wir wissen – von 13 Schüssen getroffen. Er starb noch im Stiegenhaus der Wohnanlage.

Im Kurier fragte ein Journalist, wie es möglich sein könne, dass bestens ausgebildete Spezialpolizei ein derartiges Gemetzel aufführen muss, um einen psychisch Erkrankten zu stoppen und warum die WEGA-Beamten keinen Pfefferspray oder einen Taser zum Einsatz brachten.

Übrigens: im März vergangenen Jahres wurde eine unter Verfolgungswahn leidende Frau in ihrer Wohnung von neun Schüssen eines Streifenpolizisten niedergestreckt. Und: In Deutschland (zehn Mal so viele Einwohner) geben Polizisten bei Einsätzen im Jahr rund 110 Schüsse ab, was Österreichs Polizei locker übertrifft.

Protestkundgebung: Wieso mußte Gerhard Amhofer sterben?

Wann: Freitag, 21. Juni von 11 – 11.30 Uhr

Ort: vor dem Innenministerium, Herrengasse 7, 1014 Wien

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