Mit EVA-Wolle gewaschen

Schon als die Plakate mit „Weniger belämmert als die Anderen“ herauskamen, hatte ich den Verdacht, daß die Grünen bei dieser Wahl weitgehend auf Propaganda verzichten, sondern bitterböse Gesellschaftskritik üben wollen. Ganz sicher war ich mir da zwar nicht, weil ich derlei den Grünen heute einfach nicht mehr zugetraut hatte. Doch sind sie nun tatsächlich zu ihrem früheren satirischen Aktionismus zurückgekehrt. Den letzten Beweis liefert das jüngste Plakat der Grünen, wo die Bundesvorsitzende Glawischnig nun buchstäblich belämmert ist: Sie hält ein kleines — ja, natürlich weißes und nicht etwas schwarzes — Lamperl im Arm und lächelt verschmitzt in die Kamera. Darunter ist zu lesen: „EVA — Saubere Umwelt. Saubere Politik.“ Es ist ein Vexierbild, eine optische Illusion, denn die erste Assoziation ist da natürlich: „FEWA — für saubere Wolle“. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, daß es sich dabei um ein politisches Plakat handelt.

Satirisch wird hier gleich auf mehreren Ebenen das Bild der üblichen Wahlpropaganda gebrochen. Zum einen machen sich die Grünen nun selbst über ihren doch etwas peinlichen Slogan von der Sauberkeit lustig, zum anderen machen sie damit klar, wie sehr Wahlplakate kommerziellen Werbeaffichen ähneln. Daß sie dabei gerade auf die so oft als besonders paradigmatisch für diese Branche angesehene Waschmittelwerbung anspielen, macht klar, daß es sich dabei eben nicht um schnöde Wahlpropaganda handelt, sondern um eine von genüßlicher Bösartigkeit geprägte kulturelle Provokation. Aber erst, daß das Sujet auch noch als eine Parodie auf die christliche Ikonographie des frommen Hirten gelesen werden kann, macht die mediale Intervention perfekt.

Die Grünen kehren zurück zu ihren Wurzeln, der Spott wird wieder zur Waffe gegen die Mächtigen aus Politik und Kapital. Bleibt nur zu hoffen, daß das Wahlvolk diese geradezu hinterhältige Gesellschaftskritik auch wirklich als solche versteht.

Mario Czerny

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