Der Dienstnehmer, die Firma und deren Betriebsrat

Christian Diaz, der berühmteste Billeteur Österreichs, ist — erwartungsgemäß — nun seinen Job losgeworden. „Mit der Begründung ‚mangelnder Identifikation mit der Unternehmensphilosophie‘ und dem Vorwurf von ‚Imageschädigung‘ wurde mir fristlos gekündigt“, schreibt er in einer Stellungnahme. Zugegeben, viel Positives hatte der Burgtheater-Billeteur, dessen offizieller Arbeitgeber der
Security-Konzern G4S war, weder über das Theater noch über G4S zu sagen gehabt. Diaz spricht von neoliberalen Ausbeutungsverhältnissen, Prekarisierung durch Outsourcing speziell im öffentlichen Bereich und Menschenrechtsverletzungen durch G4S-Bedienstete (siehe akin 22/2013, http://akin.mediaweb.at/2013/22/22g4s.htm ). Letzteres hat ja durch die Berufung der Firma als Betreiber des demnächst zu eröffnenden Schubhaftzentrums Vordernberg besondere Brisanz bekommen.

Die Kündigung war übrigens besonders einfach über die Bühne zu bringen, dafür sorgte schon das prekäre Anstellungsverhältnis Diaz‘, wie er es schildert: „Wie zwei Drittel der anderen Billeteure der Häuser des Burgtheaters hatte ich einen Vertrag als ‚geringfügiger Dienstnehmer‘. Dieser Vertrag beginnt und endet mit jeder Saison des Theaterjahres. Jedes Jahr ist man aufs Neue im ersten Monat auf Probe angestellt, in der der Subunternehmer das Recht hat, das
Dienstverhältnis jeder Zeit zu kündigen.“ Von diesem Vertragsdetail hatte G4S Gebrauch gemacht.

Der Zentralbetriebsrat von G4S Österreich ist empört. Allerdings nicht über das Verhalten der Firma sondern über den Billeteur. G4S sandte über die APA die offizielle Stellungnahme des Betriebsrats aus. Dort heißt es u.a.: „Seitens des G4S-Zentralbetriebsrates distanzieren wir uns von der Burgtheater-Aktion von Herrn Diaz… Alle
Mitarbeiter/innen werden korrekt nach kollektivvertraglichen Vereinbarungen entlohnt und entsprechend aller sozialrechtlicher Vorgaben beschäftigt. … Die G4S Mitarbeiter/innen leisten mit ihrer engagierten Arbeit einen wichtigen Beitrag zum guten Ruf Wiens als Kulturmetropole und tragen jeden Tag aufs neue zu einem schönen und angenehmen Abend in den Bundestheatern bei. Als Betriebsrat ist es nicht akzeptabel, dass ein seriöses Unternehmen und mit ihm die gesamte Belegschaft in Misskredit gebracht werden zumal solche Aktionen letztlich mehr als 300 Arbeitsplätze gefährden.“

Wer so einen Betriebsrat hat, braucht sich vor seinem Arbeitgeber wirklich nicht mehr zu fürchten.
(akin)

Quellen:
http://burg4s.tumblr.com/
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20131017_OTS0178/zentralbetriebsrat-zu-burgtheater-aktion-gegen-g4s

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