Offener Brief von Dora Schimanko

Offener Brief an alle jene, die sich aus Gegnerschaft zum rechten Rechtsball zu gewaltsamen Tun veranlasst sahen. –

Als Mitunterzeichnerin des Briefes, der zur Teilnahme an der geplanten Protestveranstaltung am Heldenplatz aufrief, kann ich nur feststellen, dass Ihr der Polizei das geliefert habt, was sie (und wahrscheinlich auch die Besucher des Akademiker-Balls) gewünscht haben: Gewalt, Krawall, Kriminalisierung des Protests usw.

Nachfolgend einige der Indizien, dass Euer Verhalten den Wünschen der Polizei entsprach:

Die schon lange angemeldet Kundgebung am Heldenplatz, die von bekannten gewaltfreien Initiativen (z,B, SOS Mitmensch) getragen wurde, wurde ganz kurzfristig an diesem Ort untersagt. Die Polizei bot 2 Ersatzplätze an: den Kohlmarkt, der durch die Absperrung eine schmale Sackgasse wäre und einen Platz an dem bereits eine Versammlung der F angemeldet war, also wo es ganz bestimmt zu Gewalt gekommen wäre. Die Veranstalter wollten keinesfalls Gewalt und mussten die Kundgebung absagen.

Die Demonstration, die vor der Universität anfing, hatte eine genehmigte Route vollständig außerhalb der riesigen Sperrzone rund um die Hofburg, nämlich Ring.Wipplingerstrasse-Rotenturmstrasse mit Abschluss am Stephansplatz.

Der Zug wurde aber von der Polizei umgeleitet. Nur so kamen Demonstranten überhaupt zur Wachstube und Polizeiwagen am Hof und in die Nähe der Sperrzone.

Warum und woher hatte die Exekutive „Wissen“ um geplante Krawalle? Eine so genannte „Self-fulfilling prophecy“, also eine Vorhersage, die sich selber realisiert? Natürlich ohne jedes Zutun der Nutznießer.

Ich möchte nochmals betonen: Genützt hat Gewalttätigkeit – auch gegen Sachen – nur den Rechten und der Polizei!

Wie hätte man sonst einen Einsatz und eine gesperrte Zone rechtfertigen können, welche weit über alle Schutzmaßnahmen lagen, die etwa bei einem Besuch der Präsidenten der USA oder seinerzeit der Sowjetunion getroffen wurden?

Ich denke, dass mindestens 7000 der etwa 8000 Leute, die gegen die Abhaltung eines rechts-rechten Vernetzungsfest in Prunkräumen, die Eigentum der Republik Österreich sind, protestierten, wie ich selber, Euer Verhalten als sehr schädlich und unsolidarisch empfanden!

Dora Schimanko

2 Gedanken zu „Offener Brief von Dora Schimanko

  1. Sehr geehrte Frau Schimanko,
    mit Verlaub, aber Sie sollten sich vielleicht mit Wertungen wie „schädlich“ und „unsolidarisch“ zurückhalten, solange Sie selbst einfachste Fakten über die Abläufe des Abends des 24.1. nicht im Kopf haben.

    Die Demonstration von der Universität zum Stephansplatz des Bündnisses „Offensive gegen Rechts“ wurde zu keiner Zeit umgeleitet. Die Beschädigungen der Polizeiinspektion Am Hof und an Geschäften passierten, nachdem die zweite Demonstration des Abends (vom Bündnis „NoWKR“, gestartet in Landstraße/Mitte) den Stephansplatz erreichte. Dort stand bereits Polizei bereit, um den Demonstrationszug am weitergehen in Richtung Sperrzone zu hindern – allerdings zu wenig, woraufhin es zur Eskalation kam.

    Genützt hätte der Polizei übrigens auch ein friedlicher Ablauf: das wäre dann nämlich selbstverständlich das Verdienst der Exekutive gewesen, die damit im nächsten Jahr einen Grund gehabt hätte, das Platzverbot und die anderen polizeistaatlichen Maßnahmen zu wiederholen. Und die FPÖ jammert auch, wenn jenseits von Sitzblockaden und angespuckten Burschis überhaupt nichts passiert. Wer sich darauf einlässt, sich von der FPÖ die Aktionsformen diktieren zu lassen, hat schon verloren.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein friedlicher Demonstrant vom 24.1., der keine Lust auf Spaltungen unter den BallgegnerInnen hat.

  2. Antwort der Autorin:
    *
    Frage: Ist der AKIN-Redaktion der Namen des „friedlichen Demonstranten“ bekannt? Es ist an sich nicht üblich, offene Briefe anonym zu verfassen.
    Ich habe die Fakten nicht im Kopf, vor allem nicht jene von der Demo ab Landstrasse/Mitte. Allerdings habe ich die Demo von der Uni zum Stephansplatz in den Füßen, um nicht zu sagen im ganzen Körper. Welcher Teil dieser Demo ist durch die Rotenturmstrasse gezogen? Ich war zuerst (auf Wunsch der ORF-Leute) ziemlich an der Spitze und habe dann in der engen Färbergasse und praktisch das weitere Stück bis am Hof den ganzen Zug angesehen, weil ich jemanden gesucht habe.
    Nur ein Gedankenexperiment: Nach vollkommen friedlich verlaufenen Protestaktionen (ohne irgendein Anlass für ein Einschreiten der Exekutive) eine parlamentarische Anfrage betreffend der Kosten und den Umfang der Polizeiaktionen (aufwändiger als z.B. bei den Besuchen der Staatschefs von USA und seinerzeit SU!).
    Ich lasse mir bestimmt nicht von der F die Aktionsformen vorschreiben, allerdings auch nicht (um Spaltungen zu vermeiden) mich mit Gewalttätigen einverstanden zu erklären.
    Übrigens, es macht schon lange eine böse Verleumdung die Runde, dass es auch so etwas wie „agents provocateurs“ also Provokateure im Dienst der Exekutive einmal gegeben hätte.
    Dora Schimanko
    *
    Anmerkung der Redaktion: Nein, der Autor der Blogantwort ist uns nicht bekannt.

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