Heldensagen

Es lief so ab wie schon viel zu oft. Es gibt eine Demo, die mit viel aggressivem Vokabular angekündigt wird. Damit weiß die Polizei, daß sie diesmal so richtig zuhauen darf. Dennoch ist die Demo selbst anfangs kaum aggressiv und beschränkt sich auf defensive Methoden wie Blockaden. Die Polizei, schon aufs Ruppige vorbereitet, mißhandelt dann die defensiv Agierenden. Chaos.

Zeit für den Auftritt der üblicherweise vermummten Helden. (Das können jetzt verkleidete Polizisten, Naziprovokateure oder eben auch Deppen sein, die sich als Linke betrachten, ein bissi Volkskrieg spielen und sich gut fühlen wollen — man weiß es nicht.) Diese posieren dann zum Beispiel mit einer Zwille oder einem Schlagstock für die Kameras und verschwinden dann wieder.

Danach kann die Polizei mit allen anderen machen, was sie will — auch wenn es das Verdreschen und Einsprühen mit Tränengas von Menschen ist, die ganz eindeutig keine Aggression zeigen (1). Das ist völlig egal, denn schließlich hat die Polizei ja die Photos, die sie braucht, um dieses Verhalten zu legitimieren.

Ja, die Polizisten sind dann auch die Helden — völlig selbstlos prügeln sie sich durch die Demo und sichern die schutzwürdigen Objekte, wie früher die zum Opernball anreisenden Bonzen und heute Burschenschafter auf dem Weg zur Hofburg oder die Neofaschisten auf der Straße. (Später dann dürfen sich dann die größten Polizeihelden vom Innenministerium für ihren Mut und Einsatz belobigen lassen.)

Aber das ist nur die erste Runde. Danach kommt das Après Demo: Die schutzwürdigen Objekte sind weg von der Straße und ein Teil der Demo hat sich aufgelöst. Dann kann die Polizei so richtig zuhauen und für das sorgen, was Innenministerium und Kronenzeitung als Recht und Ordnung ansehen. Wobei üblicherweise natürlich diejenigen geschlagen werden, die gar nicht aggressiv sind, weil die zu spät draufkommen, daß sie rechtzeitig hätten wegrennen müssen.

Finale: Innenministerium fordert angesichts der Vorkommnisse mehr Befugnisse für die Polizei. Der Boulevard, die „Qualitätsblätter“ und der Staatsfunk applaudieren.

Ja, Faschisten muß die Straße streitig gemacht werden! Und der Polizei wird man es wohl kaum je austreiben können, Menschen, die sie verachten, fertigzumachen. Deswegen ist sie ja die Polizei und Beamte, die praktisch nie auch nur für irgendwas zur Verantwortung gezogen werden können, führen sich halt dementsprechend auf.

Aber vielleicht sollte die Linke es ihnen in ihrer Rechtfertigung in Zukunft nicht mehr so leicht machen.

Bernhard Redl

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(1) Siehe zum Beispiel die Photostrecke von Kurt Prinz:
http://tinyurl.com/WienPfeffer14

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2 Gedanken zu „Heldensagen

  1. 1.) Mit „Zwille“ scheint die Steinschleuder gemeint zu sein.
    2.) Bei mir verstärkt sich der Verdacht, dass es sich bei dem Vermummten mit Steinschleuder um einen Provokateur handelte.
    3.) Er wurde anscheinend von einem Polizeifotografen abgebildet; aber weder festgenommen, noch identifiziert.
    4.) Wer / wie könnte dieser Sachverhalt genauer recherchiert werden? Kann der Ort des Fotos bestimmt werden? Auf dem Foto sind einige Personen in Rückenansicht zu sehen, die anscheinend davonlaufen. Vielleicht könnte eine (mehrere) dieser Personen identifiziert werden?
    5.) Das Foto wurde anscheinend von der Polizei an die APA gegeben und von dieser verbreitet. Kann die APA die Herkunft des Fotos bestätigen?
    6.) Angeblich wurden Stahlmuttern verschossen, wurden solche „Beweisstücke“ präsentiert?
    7.) Gibt es Demonstrantinnen, die diesen Hansel (um nicht ein stärkeres Wort zu gebrauchen) gesehen haben (In Aktion oder nicht)?
    8.) Die Polizei behauptet auch, es habe mehrere Demonstranten mit Steinschleudern gegeben. Hat das irgendwer glaubhaft gesehen? 9.) Wo, wann wurde mit Steinen geworfen?
    10.) Kann die AKIN Rechtskundige vermitteln, die Rechercheergebnisse sammeln und ggf. zur Anzeige bringen?
    11.) Die (einzelnen) Polizisten sind nicht unsere Gegner – wer redet mit ihnen!? Wann lernen wir endlich, zwischen Personen, ihren Meinungen und den Apparaten in denen sie ihr Brot verdienen (müssen) zu unterscheiden?

    • also: die APA hat sich da nicht groß darum gekümmert, es war eine nicht hinterfragte aussendung der polizei (siehe auch: „was sonst noch auffiel“). das bild ist komplett etwas größer, der ort dürfte dem hintergrund nach korrekt sein (museumsplatzgegend), lediglich der zeitpunkt ist fraglich. ich hab mir das bild in hoher auflösung angesehen – eine photoshop-arbeit ist zwar möglich, aber wenn dann excellent gemacht. die metadaten des bildes stimmen nicht mit dem zeitpunkt überein, wo es geschossen worden sein soll, allerdings sind alle bilder allein schon deswegen bearbeitet worden, um die personen zu anonymisieren – das sagt also nichts über die authentizität aus.
      ob es demonstranten gibt, die den typen in action gesehen haben, entzieht sich unserer kenntnis – wenn ja, bitte hier melden! daß mit steinen geworfen wurde, dürfte der realität entsprechen, in den meisten fällen dürften das aber kleine ziersteine gewesen sein, die als reaktion auf die massiven pfefferspray-attacken flogen. und: mit der WEGA kann man nicht – schon gar nicht während eines einsatzes – reden, es sei denn man ist eine von ihnen anerkannte autoritätsperson (beamter, abgeordneter im anzug odgl.). reden kann man nur mit normaler sicherheitswache, aber auch da nicht in der hitze des gefechts. allerdings: der corpsgeist in der polizei ist zu stark, als daß da etwas sinnvolles rauskommt – selbst hochrangige offiziere fürchten sich so sehr vor der truppe, daß sie nichts sagen, was in der öffentlichkeit ein schlechtes bild auch nur auf einzelne polizisten werfen könnte – zumindest meiner erfahrung nach.

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