Von deplazierten Landeshauptleuten, Expräsidenten, Asteroiden und Neuland-Bewohnern

Kommentierte Presseschau (1. Teil, komplett ist die Presseschau in der aktuellen Druckausgabe 21/2014 nachzulesen)

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Ein Platz für Erwin

Also wenn schon das Raiffeisenblatt seine Heiligkeit durch den Kakao zieht, dann hat die ÖVP echt ein Problem. Denn die Geschichte im „Kurier“ ist symptomatisch für die Stellung von Erwin Pröll und vor allem dem vorauseilendem Gehorsam ihm gegenüber. Die Story schildert die Erlebnisse eines Ehepaars, das bei einem Konzert im St.Pöltener Festspielhaus Plätze in der ersten Reihe hatte. Dann habe jedoch eine Mitarbeiterin des Festspielhauses angerufen, die gemeint hätte, sie habe „die Anweisung erhalten, die Sitzplätze zu ändern, da Hr. Landeshauptmann Pröll die Vorstellung besuchen will“. Die Plätze in der ersten Reihe seien „seine“, weil „er diese immer in Anspruch nimmt“, wurde dem Wiener Ehepaar mitgeteilt. Alternativ wurden dem Paar „seitliche Plätze“ in der ersten Reihe angeboten. Das Paar protestierte — was vom Festspielhaus mit einem Angebot für Gratiskarten für eine andere Veranstaltung beantwortet wurde. Erst als der Kurier nachfragte, dämmerte es da jemandem, daß das keine gute Presse geben könnte. Auf einmal hieß es von Festpielhaus und Prölls Pressesprecher, daß der LH nie auf diese Plätze bestanden hätte und das Paar natürlich auf ihren Plätzen sitzen könnte.

Aber da war das PR-Desaster schon passiert. Unter dem Eintrag des Artikels in der Onlineausgabe ist zu lesen: „Aufgrund diffamierender Postings wurde die Kommentar-Funktion deaktiviert.“

http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/warum-ein-ehepaar-fuer-erwin-proell-platz-machen-sollte/89.138.590
Kurz: http://tinyurl.com/akin21erwin

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Ukrainischer Krieger

Neulich war der ukrainische Ex-Präsident Wiktor Juschtschenko im Rahmen der Initiative „Future Business Ukraine“ in der Wiener Hofburg zu Gast, um über das Thema „Ukraine in Europe: Peace and Development“ zu diskutieren. Der Führer der „Orangenen Revolution“ wurde bei dieser Gelegenheit vom „profil“ interviewt und machte seinem Ärger Luft: „Wir brauchen militärische Unterstützung durch den Westen – und damit meine ich, dass wir Ressourcen brauchen, um uns gegen die russischen Raketen und Panzer zu wehren. Niemand in der Ukraine erwartet, dass europäische Soldaten auf unserem Territorium sterben sollen. Wir sterben dort, wenn es sein muss, mit Würde.“ Es ist immer schön, wenn Politiker und Ex-Politiker von einem nationalen „Wir“ sprechen. Dieses solidarische Gemeinschaftsgefühl mit denjenigen, die wirklich krepieren, hat schon etwas Erhebendes.

http://www.profil.at/articles/1440/982/378109/wiktor-juschtschenko-bin-oesterreich
Kurz: http://tinyurl.com/akin21ukr

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Bomben gegen die von ganz weit draußen

Wegen einer ganz anderen Bedrohung hebt sich die US-Regierung sicherheitshalber ein Extrakontingent von ein paar zur Abwrackung vorgesehen gewesenen Atomsprengköpfen auf — und zwar zur Bekämpfung von Asteroiden. Was klingt wie der Bericht eines Revolverblattes, dessen Redakteur gerade den Hollywood-Schinken „Armageddon“ von 1998 gesehen hat, ist das eine Meldung aus dem „Wall Street Journal“ (deutsche Ausgabe). Nach hochoffiziellen und öffentlichen, wenn auch ein wenig versteckten Informationen der Nationalen Behörde für Nukleare Sicherheit (NNSA) sollen die Atomwaffen wirklich zur Zertrümmerung von großen Asteroiden vorgesehen, die eventuell einmal die Erde bedrohen könnten. Allerdings gibt es natürlich auch Miesmacher, die ganz verschwörungstheoretisch etwas anderes dahinter vermuten. Denn in einer Zeit, da die Atomwaffenvorräte durch Abrüstungsverträge und andere Faktoren schrumpfen, könnte die Planetenverteidigung „eine Entschuldigung sein, das Atomwaffenarsenal aufrecht zu erhalten“, zitiert das WSJ Jay Melosh, Professor an der Purdue University. Ein Schelm, der Herr Professor!

http://www.wsj.de/nachrichten/SB10362228127429084907704580188444246545512
Kurz: http://tinyurl.com/akin21wsj

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Und die Schlagzeile des Jahres verdanken wir…

War eigentlich klar, wer die jenseitigste Meldung 2014 schieben mußte: Recep Tayyip Erdogan. Mit „Ich bin mit jedem Tag zunehmend gegen das Internet“, wie ihn die APA am 3.Oktober nach Angaben der internationalen Journalistenorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) zitiert, wird er dieses Jahr im Ringen um die ärgste Wuchtel wohl keinen Konkurrenten mehr haben. In Hinblick auf die regierungskritischen Proteste im Gezi-Park 2013 soll er weiters gemeint haben: „Den Medien hätte niemals die Freiheit gegeben werden sollen, zu beleidigen.“

Sein Unmut ist verständlich, hatte er doch erst kürzlich zum zweiten Mal in diesem Jahr akzeptieren müssen, daß das türkische Verfassungsgericht seinen Ideen zur Kontrolle des Netzes eine Absage erteilte. Nach der untersagten Sperre von Social-Media-Diensten untersagte das Gericht nun der Telekommunikationsbehörde, uneingeschränkt Daten über das Surfverhalten von Nutzern zu sammeln.

http://derstandard.at/2000006400862

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Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die Berichte auf die Online-Ausgaben der zitierten Medien. Zeitungsleser: -br-

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