Blöder als gedruckt

Bitte, das war aber nicht autorisiert! So motzte jüngst das „König-Abdullah-Dialog-Zentrum“ über die Publikation des Interviews von Claudia Bandion-Ortner („Nicht jeden Freitag wird geköpft“) im profil. Das profil dokumentierte daraufhin auf seiner Site die Audiofiles des Gesprächs mit Bandion und deklarierte auch den genauen Vorgang, daß das Interview sehr wohl autorisiert wäre.

Die Dokumentation der Audiofiles ist sehr sinnvoll und sorgt für Transparenz. Aber was soll diese Autorisationsgehabe?

Autorisieren kann nur eine Autorität. Und da gibt es im deutschsprachigen Raum die Unsitte, sich Interviews autorisieren zu lassen. Da liegt schon der Verdacht nahe, daß man den Interviewpartner und dann vielleicht auch noch seinen Arbeitgeber als Autorität sieht. Hängt uns da Deutschsprachigen noch der preussische und k.u.k. Obrigkeitsstaat nach? Denn zumindest in UK und USA ist dieses Autorisierenlassen ziemlich unüblich. Schließlich gilt: Was man auf Band hat, hat man auf Band – und die Person hat es so gesagt und das kann man beweisen. Wozu also diese untertanenmäßige Autorisationspraktik?

Man sehe sich den Unterschied an zwischen gedruckten Interviews und jenen, die live in den Stream-Medien geführt werden. Nur deswegen kann ein Armin Wolf so punkten: Weil er live befragt und live seine Antworten kriegt – wo nix mehr beschönigbar ist. Dieser ungeschminkte Stil fällt hierzulande nur deswegen auf, weil wir es aus der Presse anders gewohnt sind.

Ich habe mir ein einziges Mal ein kontroversielles Interview autorisieren lassen – und das auch nur, weil mir mein Tonbandgerät mitten in der Aufnahme den Geist aufgegeben hat. Meine handschriftlichen Notizen waren da nicht ausreichend für eine seriöse Niederschrift, daher mußte eine Autorisation her. Die Folge: In diesem Interview stand dann nur mehr, was mein Interviewpartner gesagt haben wollte und von dem er dachte, es komme gut an – und nicht, was er wirklich gesagt hatte.

Leute, wenn ihr hierzulande ein Interview lest, bedenkt immer: Es ist wahrscheinlich autorisiert. Was die Interviewpartner wirklich gesagt haben, war vielleicht viel blöder als das, was gedruckt erscheint.

*Bernhard Redl*

 

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