Massenproteste gegen EZB, Schäuble und Draghi in GR

Von *Aug und Ohr*

Es war zu erwarten. Um 7 Uhr abend des 5. 2 hatten sich die Menschen in Athen bereits massenweise vor dem Parlament versammelt, der ganze Platz vor dem Parlament war voll, vom Syntagmaplatz strömten mindestens eine Stunde lang ununterbrochen neue Menschen hinzu, zum Schluß dürften es Tausende gewesen sein.

Die Menge ist gemischt aus vielen Altersstufen, aus unterschiedlichsten sozialen Bereichen: Arbeiter, Pensionisten, aufgeklärte Mittelschicht mit politischer Vergangenheit oder Gegenwart, Intellektuelle, Jugendliche (die aber hier, im Gegensatz zu Patras etwa, wie Real.News berichtet (1), keineswegs die Mehrheit bilden).

Die Kundgebung hat keine Zentrale, hat keine Tribüne, wurde über die bekannten Flittermedien (Facebook u. dgl.) angekündigt, und nicht von einer bestimmten politischen Gruppe. Sie wendet sich gegen die Provozierungen und Erpressungen des heutigen und gestrigen Tages.

„Wir werden die neue Erpressung nicht akzeptieren. Wir werden die Rückkehr der Memorandenpolitik nicht akzeptieren. Wir werden nicht akzeptieren, daß unsere Gesellschaft zerfällt und die Zerstörung unseres Landes weitergeht!“ heißt es unter anderem im Facebook-Aufruf (1)

Es ist eigentlich eine (für griechische Verhältnisse) sehr ruhige Massenversammlung, in der kleine Gruppierungen lebhaft oder Paare miteinander diskurieren, in der aber auch, wie auf vielen anderen Demonstrationen, viele nunmehr vereinzelte alte Menschen anwesend sind, die die Klassenkämpfe und die Verelendung der vergangenen Jahrzehnte mehr als andere kennen und denen die intensiven Tätigkeiten und Auseinandersetzungen der vergangenen Jahrzehnte noch ins Gesicht geschrieben sind.

Erstaunlich (oder vielleicht auch nicht) ist die Abwesenheit der organisierten und intensiv kämpfenden Linken, SEK, NAR, Syriza-Jugend, studentische Organisationen. Man sieht zunächst nur die, die „Schulwächter“ genannt werden, deren Aufgabe unter anderem die Aufsicht in der Schule und auf den Straßen vor der Schule ist, mit ihren gelben Fahnen, das ist aber nicht ohne Bedeutung, denn die „Schulwächter“ sind durch ihre Kämpfe gegen ihre massenweisen Entlassungen ebenso wie die Putzfrauen nicht nur zu einem Symbol des Widerstands geworden, sondern durch ihren Kampf, ebenso wie die Putzfrauen, für weitere Kämpfe politisiert worden. Die entlassenen ArbeiterInnen des ERT (im vorigen Jahr geschlossenen staatlichen Rundfunks und Fernsehens) kamen auch dazu. Eine kleine Anzahl von griechischen Fahnen, man verzichtet sonst auf Markenzeichen.

Interessant ist für postmoderne Idioten nicht, daß hier mit Facebook mobilisiert wird (wie cool!), sondern daß ausgerechnet mit Facebook und trotz der kalten, vagen und passiv machenden Natur dieser „Neuen Medien“ in Griechenland eine große Menge mobilisiert werden kann.

Es liegt auch am Text, es ist ein Aufruf an ganz Europa und für ganz Europa. Daraus noch ein Zitat:

„Wir schicken hier denjenigen eine Nachricht, die glauben daß sie uns in der Hand haben, die Nachricht nämlich, daß sie überhaupt nichts verstanden haben. Die Zeit eines knieenden Griechenland und der hörigen Regierungen ist vorbei. Wir unterstützen die feste Haltung unserer Regierung. Wir schicken unsere Solidarität an alle Völker Europas, die von Griechenland ein Zeichen der Selbstachtung und der Beendigung der Austerität erwarten.“ (2)

Es ist schon eine weitere Mobilisierung für den Februar angekündigt, allerdings von einer anderen Initiative, wie mir ein – auch auf internationaler Ebene tätiger – Aktivist bestätigte. Er bestätigte mir auch die Facebook-Genesis der heutigen Kundgebungen und erinnerte daran, daß auch die Besetzung des Syntagma-Platzes im Jahr 2011 mit Hilfe von Facebook organisiert worden war. Man wird noch zum Facebook-Fan.

Ebenfalls in Saloniki fand eine Protestkundgebung statt, wenn auch mit wesentlich geringerer Teilnehmerzahl. Auf Kreta gab es Proteste in Heraklion und Chania (2).

  1. Συγκεντρώσεις συμπαράστασης σε όλη την περιφέρεια, Real.gr, 5. 2. 2015
  2. Zitiert nach: Πλήθος στο συλλαλητήριο του Συντάγματος: Δεν εκβιαζόμαστε, Ethnos, 5. 2. 2015
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