Glosse: Der Strache-Kickl-Effekt

Wann immer ich ins facebook einsteige, sehe ich diese mir höchst unangenehmen, ja Übelkeit bereitenden Gesichter von Strache, Kickl und Co. Das ist insofern irritierend, als ich sehr sorgsam darauf achte, dass keiner von deren deklarierten Fans sich in meinen Freundeskreis verirrt.

Tatsächlich ist ja der Kickl offenbar ein gewiefter Stratege. Er weiß ganz genau, dass er nur einen seiner Apologeten irgendeine Ungeheuerlichkeit rausposten lassen muss (am besten mit einigen Rechtschreibfehlern!), und schon fallen viele meiner aufrichtig roten oder rotgrünen Freunde geifernd über das Fundstück her und posten es wie wild durch die Gegend.

Ich würde schätzen, dass sie damit – unfreiwillig natürlich – der FPÖ pro Jahr ein Werbebudget in zweistelliger €uro-Milliarden-Höhe ersparen. (Nach 40 Jahren in der Kommunikations-Branche kann man sich so eine Schätzung schon zutrauen…).

Strache ist in Ibiza? Kein Problem. Kickl furzt eine Stinkbombe und schon wird sie tausendfach (mit Strachebild!) verteilt, bis das ganze facebook wie eine Jauchegrube anmutet. Meine fb-Freunde sind da seeeehr verlässlich. Und Strache hat mehr erreicht, als wenn er selbst irgendwo in 300 Bierzelten verkokst herum gerülpst hätte. In der Fachsprache nennt man so etwas: „Aufbau einer ständigen Marktpräsenz“. Kostet normalerweise viele, viele, viele Millionen, die meine fb-Freunde der FPÖ dennoch ganz freiwillig ersparen…

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den man in der Kommunikationsbranche natürlich sehr genau kennt (und der auch durch mittlerweile hunderte Untersuchungen als gesichert angesehen werden kann): vermehrte „Frequenz“ steigert die Wiedererkennungswerte und häufige Wiederholungen verstärken auch die Sympathiewerte. Der Konsument „lernt“ durch ständige Konfrontation, ein Produkt zunächst zu akzeptieren, wenn es ihm auch anfangs unangenehm war … und irgendwann – wenn es ihm nur oft genug vor die Nase gehalten wird, findet er es sogar gar nimmer so unsympathisch… jedenfalls akzeptiert er dessen Präsenz in seinem täglichen Erleben – geistig weniger eloquente Typen können dann sogar leicht so etwas wie einem Mobbing-Mitleidseffekt erliegen, denn sooo schlecht, wie die andauernd tun, kann der Typ ja gar nicht sein!

Was mich aber wirklich immer wieder verwundert, ist das ehrliche Verwundern darüber, dass Strache in allen Umfragen so glänzende Werte hat. Mich wundert das gar nicht. Haben die doch mit ihren ständig aufmerksamleitsheischenden Postings alles dazu beigetragen, dass es genauso kommen MUSSTE.

Gelegentlich – wie eben jetzt – unterziehe ich mich der (vorhersehbar vergeblichen) Liebesmüh, meinen aufrechten fb-Freunden aus der rosaroten und grünen Ecke diese Mechanismen zu erklären. Die Reaktion ist stets die Gleiche: „Das kann man doch nicht so unerwidert stehen lassen!“
(begleitet durch aufrecht verstörte, zornige Gesichter).

Meine Antwort ist immer die gleiche: „Warum nicht?“

Aktualität und Aufmerksamkeit bekommen doch nur Meldungen, die in den Fokus gerückt werden. Worüber niemand spricht, wird schnell vergessen und verdrängt… So einfach wäre das!

Ich bin sicher, dass Kickl schon an seinem nächsten Aufregungs-Sager bastelt. Ich werde bald erfahren, was er sich diesmal ausgedacht hat. Auf meine linken und grünen fb-Freunde ist eben Verlass…

Christian Sadil

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