Kein Jebsen im Amerlinghaus

Die AIK / Antiimperialistisches Lager resp. das Österreichisch-Arabische Kultuzentrum (OKAZ) hatten diesen Sonntag für Dienstag in die Räumlichkeiten des OKAZ in der Wiener Gusshausstraße geladen. Als Podiumsgast war der umstrittene deutsche Journalist und Aktivist Ken Jebsen angekündigt.

In der Einladung hieß es, Jebsen habe „sich immer deutlich auf die Seite der Palästinenser geschlagen sowie gegen den US-Imperialismus, was ihm heftige Kritik einbrachte und den Ausschluß aus dem etablierten Medienapparat.“

Tatsächlich wurde nach einer privaten eMail Jebsens, die antisemitisch deutbar ist und dank Henryk M. Broder in die Öffentlichkeit gelangte, vom Rundfunk Berlin-Brandenburg die Zusammenarbeit mit deren bisherigen Moderator Jebsen beendet. Die Einstufung von Äußerungen Jebsens als antisemitisch blieb jedoch umstritten und beschäftigt auch bis heute die Gerichte.

Jebsen war auch Exponent jener Friedensbewegung für die Ukraine, die heftige Debatte auslöste, ob es dieser Bewegung wirklich um Frieden ginge. In der Einladung der AIK hieß es dazu: „An der Friedensbewegung beteiligten sich im weiteren Verlauf auch Kräfte, die in unterschiedlicher Weise Positionen vertraten, die von der Linken nicht mitgetragen werden. Das löste einen Distanzierungsreigen aus, bei dem wiederum der Vorwurf des Antisemitismus eine wichtige Rolle spielte.“ Und zum Zweck der Veranstaltung: „Wir wollen mit Ken Jebsen über seine politischen Vorschläge diskutieren. Dabei soll auch die Frage gestellt werden, wie er zum Rechts-Links-Gegensatz steht, dessen Infragestellung ihm vorgeworfen wird.“

Diesen Montag jedoch kündigte die AIK — ohne Angaben von Gründen — eine Verlegung dieser Veranstaltung an: Die Diskussion sollte nun nicht mehr in der Gußhausstraße — wo ja auch der KSV-LiLi zuhause ist — stattfinden, sondern im Amerlinghaus. Auch dieses machte dazu eine enstprechende Aussendung. Dienstag mittag war alles ganz anders. Das Amerlinghaus verkündete nun: „Nach diversen solidarischen Kritiken zur geplanten Veranstaltung und unerer Auseinandersetzung mit der Kritik an Ken Jebsen haben wir uns entschieden, diese ABZUSAGEN.“ Ganz so solidarisch waren die Kritiken aber wohl nicht alle. Das Kulturzentrum durfte sich via Facebook Statements anhören wie etwa: „Seid ihr eigentlich deppert Ken Jebsen eine Plattform für sein dummes Verschwörungsgewäsch zu bieten?“ oder „Wenn ihr solchen rechten Verschwörungstheoretikern wie Ken Jebsen eine Bühne bietet, dann wars das mit der Sympathie“ oder „Wenn solche Leute wirklich kämen, würde ich Euch fragen, ob Sie Euch in das Gehirn geschissen haben“

Wenige Stunden vor der Veranstaltung wurde daher der Ort erneut geändert. Nun wurde zur Diskussion ins Restaurant Kent in der Märzstraße geladen. Ob viele Interessierte diesen letzten Ortswechsel noch mitbekommen haben, ist allerdings fraglich.

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Ein Gedanke zu „Kein Jebsen im Amerlinghaus

  1. Leserbrief zur Druckfassung obigen Artikels

    Lieber Bernhard, hast Du jemals schon Ken Jebsen selber gehört; seine Interviews und seine Statements im Zusammenhang?
    Ich finde einfach die sog. antiimperialistische und/oder antifaschistische Linke als einen Kindergarten mit teilweise kindgebliebenen Erwachsenen. Und ich frage mich nicht erst seit jetzt, was diese “Kräfte” zustandebringen, außer am Teilen des ohnedies an wenigen Händen zu zählenden Linkspotentials kräftig beschäftigt zu sein (divide et impera!). Für mich hieß es noch “Proletarier aller Länder vereinigt Euch”!

    Und was tut in Happy Austria das lächerliche Häufchen, das sich anmaßt, so Leute wie Jebsen zu beflegeln, um nur irgendwie den Mainstream zu jucken?

    Es wär zum Lachen, wenn’s nicht so traurig wär.

    Nichteinmal zusammen mit Linkskatholen und Kommunisten kommt irgendwas zustande. Ich ärgere mich schon wieder, daß ich wählen war und im Bezirk dieses Häuflein unterstützt hatte.

    Aber darum geht’s nicht. Vielmehr darum, daß die Themen dieser armseligen Gilde – und mit Verlaub, die Artikel der Akin beschäftigen sich in großer Zahl mit deren Anliegen – mit Realpolitik rein gar nichts am Hut hat; und dabei empfinde ich mich alles andere als einen Realo. Vielmehr werde ich von vielen als unbarmherziger Fundamentalist gebranntmarkt. Ich weiß schon, es ist immer ein Frage der Position…

    Es kommt mir so vor, daß Ihr, ganz wie es dem Mainstreamjournalismus zurecht vorgeworfen wird, nurmehr vom Abschreiben oder von Vorurteilen lebt. Denn wer sich gerade mit Jebsen beschäftigt, findet nichtmal einen Beistrich an Antisemitismus und Amerikafeindlichkeit oder Russophobie o.Ä.

    Wie es überhaupt lächerlich ist, daß der Diskurs seit Langem mehr Energie über derlei Begriffe verschwendet, als politische realistische Lösungen auch nur ansatzweise hervorzubringen. Und was ich besonders unerträglich empfinde, daß diese Art von “Linke” mit vielen der heutigen Mainstreamstandpunkten übereinstimmt:
    Nämlich Begriffe wie Antisemitismus, Faschismus, Verschwörungstheoretiker, Putinversteher etc. nurmehr als Keulen verwendet werden, um damit echte kritische Diskurse im Keim zu ersticken. Daß auch so Kaliber wie Jutta Ditfurth vollkommen irrational hier mitmachen, ist mehr als entsetzlich.

    Die deutschen Grünen als eine der kriegstreiberischten Kräfte in Europa finden z.B. 0 Erwähnung und Kritik; und daß auch die österr. Platz bei Euch haben – naja – was soll man da sagen.
    Schön langsam läßt sich das politische Österreich wie das US-amerikanische System beschreiben: 4 oder 5 Parteien, die alle rechts sind — unterschiedlich rechts halt. In USA sammelt sich das in nur zweien.

    Weißt Du, es ist echt leicht, Victor Orban zu kritisieren und ich selbst kritisiere ihn, wie unsere eigenen Flaschen (diese deswegen als noch erträglich zu empfinden ist für mich Zynismus), daß er aber gerade jetzt in der Flüchtlingsfrage NUR EU-Recht verwirklicht hat, ist Dir keine Zeile wert – nämlich das EU-Recht zu hinterfragen (wär das schon wieder nationalistisch oder gar faschistisch?). Wie wär’s denn, den Lissabon-Vertrag mal unter die Lupe zu nehmen, oder weiters solch absolut antidemokratische Konstrukte wie den ESM… Oder die Verwicklungen der gesamten Finanzmafia mit Goldman & Sachs. Ist das auch schon wieder antisemitisch oder gar verschwörungstheoretisch?

    So jemanden wie Ken Jebsen zu vertreiben und dazu absolut Nichts entgegen halten zu können, das ist stark.

    Wenn schon, dann sollte man den Gegner auch verstehen. Aber wie das, wenn man nichts von ihm kennt, geschweige denn sich sein Bild selbst macht.
    Freundschaft!

    Herbert Faltynek

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