Wolfgang Purtscheller 1955 – 2016

Wolfgang Purtscheller ist in der Nacht von 5. auf den 6.Jänner verstorben. Herzstillstand in einem Wiener Krankenhaus hieß es in einer Mitteilung. Jetzt könnte man sagen: Ein Kämpferherz schlägt nicht mehr. Aber das wäre wohl zu pathetisch. Der wilde Tiroler Hund ist tot. Könnte man auch sagen. Nicht von Nazis oder Polizisten erschlagen, wie man das eigentlich erwartet hätte — und wie das von denen wohl auch versucht worden ist — sondern ganz einfach so blieb sein Herz stehen. Und das schon im Alter von 60 Jahren.

Was soll man über jemand wie den Purtscheller schreiben? Weil: Fad ist es mit ihm nie gewesen. Kennengelernt habe ich ihn vor knapp drei Jahrzehnten im besetzten Haus in der Wiener Ägidigasse. „Wolfi Wichtig“ nannten ihn manche damals spöttisch-liebevoll, weil er schon damals der große Geschichtenerzähler war. Ja, er konnte mit seiner ganzen historischen Bildung wirklich auch unterhalten. Bisweilen konnte man da über die Nazis sogar lachen, wenn der Purtscheller über deren Irrsinn berichtete. Und immer war bei ihm — im Gegensatz zu vielen anderen, die sich heute mit alten und jungen Nazis beschäftigen — auch die Verbindung der Faschisten mit den Kapitalisten klar benannt.

Ungezählt sind die Wickel, in die sich Purtscheller begab. Offene Nazis, FPÖler und Teile von Polizei und Justiz hätten ihn so gerne im Hefn gesehen und dichteten im alles Mögliche an, bis hin zur Beteiligung an den Anschlägen von Ebergassing und sogar Oberwart. Polizisten prügelten ihn 1994 krankenhausreif, was ihm eine Anklage wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt einbrachte — wie das halt so ist in Österreich. Und angeeckt hat der Purtscheller überall — auch in der Linken. Seine Bemerkung —
berechtigt oder nicht — auch die KPÖ habe sich aus der Konkursmasse der Nazis bedient und dort Mitglieder geworben, führte letztendlich sogar zu einem Gerichtsverfahren , in dem er sich mit dem ehemaligen KPÖ-Vorsitzenden Walter Baier anlegte. Es war ein unnötiger Prozeß, aber Purtscheller war nie dafür bekannt, daß er etwas tut oder unterläßt, nur damit man ihn liebhat. Einen „streitbaren Publizisten“ nennt man so jemanden für gewöhnlich, aber nur auf wenige trifft oder traf diese Bezeichnung so zu wie auf Wolfgang Purtscheller. Jetzt ist er tot. Die Faschisten freuen sich sicher. Uns wird er abgehen.

Bernhard Redl

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s