VERWORTET: Staatsdiener

„Staatsdiener“ – Der Begriff ist seltsam: Ein Diener des Staates? Gemeint sind üblicherweise Beamte, aber auch Politiker. Van der Bellen will „Österreich dienen“, laut Mao sollten seine Soldaten „dem Volk dienen“.

Eigentlich ist der Begriff dieses „Dienens“ feudaler Herkunft: Staatsdiener seien „im weiteren Sinne alle diejenigen Personen, welche vermöge einer besonderen vom Inhaber der Staatsgewalt unmittelbar od. mittelbar ausgehenden Verpflichtung dem Staate od. für die Zwecke desselben Dienste leisten. In diesem Sinne sind zu den [Staatsdienern] auch alle Personen zu rechnen, welche nur vorübergehend dem Staate dienen, dagegen alle diejenigen auszuschließen, welche durch ihren Dienst, wenn er auch dem Staate gilt, doch nur eine allgemeine Bürgerpflicht erfüllen, wie z.B. beim gemeinen Kriegsdienst“ (Pierer’s Universal-Lexikon, 1863).

Alles klar: Der Staatsdiener ist der Diener des Staates, nur war der Staat früher halt personifiziert im Feudalherren. Daher ist ja auch der „Minister“ mit dem „Ministranten“ etymologisch verwandt – auch nur ein Diener seines Landesherren.

Gerüchten zu Folge leben wir heute in einer Republik – da gibts keinen Feudalherren mehr. Denn der Staat sind ja jetzt wir alle. Komischerweise repräsentieren unsere Diener aber immer noch die Obrigkeit gegenüber uns allen, also eigentlich dem Souverän.

Irgendwas stimmt da nicht.

Der Staat sind eben nicht nicht wir alle, sondern der Staat ist einfach nur eine Idee, ein Abstraktum, eine Verwaltungseinheit. Das tumbe Fahnengeschwinge erhöht nur den Unterhaltungswert und die allgemeine Akzeptanz dieser Verwaltungseinheit. Und daher sind Staatsdiener weiterhin Teil der Obrigkeit und haben in vielen Fällen das Recht, Zwangsgewalt anzuwenden.

Alle anderen hingegen, die auch ihre Pflicht gegenüber dem Staat erfüllen, sind trotzdem nur Staatsbürger. Die Diener hingegen sind berufen, diesem bürgerlichen Souverän zu sagen, was er zu tun und lassen hat.

Das nennt man dann wahrscheinlich Diktatur des Proletariats.

Mario Czerny

In der Rubrik VERWORTET stellt die akin regelmäßig Wörter oder Phrasen vor, deren allgemeiner Gebrauch nicht ganz koscher ist. Wer dabei mitmachen will, schicke uns ein Wort und dessen Gebrauchskritik an akin.redaktion@gmx.at

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