Aussendung der Pressestelle der Clownarmee, Kommando Wien

Wien, 1.Oktober 2017 –

Eine als Clownspaziergang betitelte öffentliche Veranstaltung vor dem Parlament sollte und wollte von sechs Clowns und einem Imker besucht werden. Geschminkt, bunt gekleidet und mit roten Nasen bestückt begab man sich Richtung Parlament. Doch schon der Fußweg von wenigen hundert Metern wurde der Gruppe zum Verhängnis. Innerhalb kürzester Zeit stieß man auf ein, wie es schien bereits wartendes Polizeiauto. Friedlich, ohne Aufhebens und ohne auch nur den Gehsteig zu verlassen wollte man das Fahrzeug passieren. Die mit Schlagstöcken und unheilverheißenden Gesichtsausdrücken ausgestatteten Exekutivbeamten stiegen sogleich aus dem Wagen und umringten die bunte Gruppe. Sie verhinderten ein Weiterkommen und verlangten umgehend das Entfernen der Gumminasen und Vorzeigen von Ausweisen. Nach einem kurzen Moment großer Verwunderung und absoluter Verblüffung beriet man sich und entschied, die absurd anmutende Aufforderung zu befolgen, um der sonntäglichen Veranstaltung ungehindert beiwohnen zu können. Doch die Polizisten verlangten weiter nach einer Identitätsfeststellung und riefen sogar dreifache Verstärkung herbei, da sie eine Amtshandlung behindert sahen (wiewohl bemerkt war Folge geleistet worden). Nach dem Motiv des unangenehmen Insistierens auf unsere Namenspreisgabe gefragt, wurde seitens der Polizei schroff bemerkt: „Ihr seid’s uns afoch a bisserl zu lustig“ und „Das ist nicht unsere Art von Humor“.

Wir fragen uns demnach: Welcher ist der hierzulande zulässige Humor? Wo kann man diesen erlernen? Und wie funktioniert die Pointe? Denn eine solche war schwer erkennbar. Schlussendlich durfte lediglich der mit Berufsverschleierung ausgestattete Imker unter Herzeigens seines Ausweises die Gruppierung verlassen. Das Anfertigen von Beweisfotos seinerseits und die Zusage, mediale Aufmerksamkeit auf die Situation zu lenken, führte letztendlich zur Freigabe der dergestalt festgehaltenen nasenlosen Clowns.

Was darauf folgte war eine groteske Erfahrung: Die Teilnehmenden des sogenannten Clownspaziergangs durften sich innerhalb eines abgegrenzten Bereichs vor dem Parlament aufhalten, da die Veranstaltung zuvor angemeldet worden war. Sobald allerdings jemand die Ansammlung verließ, wurde er oder sie grob und unter Androhung von Anzeige und Verwaltungsstrafe angewiesen, Schal/Tuch/Nase vom Gesicht zu nehmen. Es entstand der untrügliche Eindruck einer eingezäunten Spaß-Zone. Wir fragen uns: Was bedeutet dies für die Zukunft kreativer Aktionsformen? Wer entscheidet in Hinkunft darüber, was als Kunstausübung verstanden werden darf? Was bedeutet die Einschränkung kostümierter Bewegungsfreiheit für das Individuum auf dem Weg zum Maskenball?

Für uns wurde deutlich: Das Anti-Gesichtsverhüllungs-Gesetz enthüllt die Repressionsfunktion der Exekutive. Es schützt niemanden, sondern beraubt Bürgerinnen und Bürger der Möglichkeit, sich der omnipräsenten Kameraüberwachung zu entziehen. Besagtes Gesetz wirkt tief in die Privatsphäre aller. Die diesbezüglich vielbemühte „Verhältnismäßigkeit“ der österreichischen Polizei ist offenbar als Synonym für absolute Willkür zu verstehen. Nicht nur Nacktheit ist anstößig, auch Kleidung erregt.

Doch wir wollen uns kleiden, wie es uns beliebt. Wir solidarisieren uns mit gut-, schlecht- und anders gekleideten und fordern ein Recht auf freie Clownausübung!

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