Zurück in die Heimat!

Die Aufregung über das Rösslerplakat ist völlig überzogen. Schließlich geht es ja darum, Wahlen zu gewinnen. –

Schon Waldheim wurde ja nicht nur deswegen Präsident, weil er einstens die Heimat so tapfer gegen die Welschen, Slawen und Hunnen verteidigen half, sondern schon auch, weil sein Name Programm war. Wer, wenn nicht er, also jemand mit einem solchen treudeutschen Namen konnte die Waldheimat glaubwürdig vertreten?

Dabei ist das ja gar nicht so verwerflich und rückständig, nein der Heimatbegriff ist von der Reaktion nur gekapert worden. Allein, wenn man sich spezifisch die „Waldheimat“ ansieht — immerhin ist dieser Begriff von Rossegger geprägt worden und der war ja ein engagierter Aufklärer und Volksbildner.

Als Waldheim gewählt wurde, waren die Grünen gerade im Entstehen und aus dieser grünen Ursuppe kam damals, trotz der doch eigentlich schon programmatischen Naturromantik, viel Kritik an der Heimatliebe des späteren Bundespräsidenten. Das wird wohl der Grund sein, warum die Grünen so lange sich scheuten, den doch gerade bei Wahlen so erfolgreich einsetzbaren Heimatbegriff zu verwenden.

Es dauerte bis 2013, daß die Grünen davon abgingen, sich an das verkommene liederliche Stadtvolk mit seiner modernistischen, umstürzlerischen Machbarkeitsgläubigkeit zu wenden, und wieder das schöne gesunde Landleben in den Vordergrund stellten. Da plakatierten sie Eva Glawischnig mit einem süßen weissen Schaf und der Forderung nach mehr Sauberkeit. Die postmoderne Idylle mit christlicher Ikonographie gepaart brachte den Grünen bei dieser Nationalratswahl das beste Ergebnisse ihrer Geschichte ein. Drei Jahre später baute man dieses Erfolgskonzept aus und Van der Bellen wurde Bundespräsident. Und dann 2017 das: „Sei ein Mann, wähl ein Frau!“ Das war zwar auch blöd, aber eben nicht patriotisch und heimatliebend — das konnte nur danebengehen.

Wenn jetzt also Astrid Rössler sich im Kreise trachtengewandeter Landjugend und dem Slogan „Heimat beschützen!“ plakatieren läßt, zeigt das nur, daß die Grünen wieder auf der Höhe der Zeit sind. Vorwärts in die Zukunft, wir müssen zurück! Die Ängste der Bevölkerung muß man doch ernstnehmen und Heimatschutz ist heute aber sowas von angesagt. Schließlich war früher alles besser! Und nachdem die ÖVP nimmer schwarz sein will, ist es doch sehr vernünftig, wenn da die Grünen in die Bresche springen respektive in den politischen Raum vordringen und zeigen, daß sie auch das Reaktionäre nicht vergessen haben. Denn schließlich muß man das Ohr am Volk haben, wenn man Wahlen gewinnen will. Wer das Volk vertreten will, muß eben ein bißchen völkisch sein. Das ist nicht nur sehr vernünftig und pragmatisch, sondern sogar zutiefst demokratisch.

Also kein Grund, sich darüber aufzuregen. Schließlich geht es ja darum, wieder mitregieren zu dürfen. Da sollte man nicht kleinlich sein. Und wenn bei der nächsten Wahl eine grüne Spitzenkandidatin mit einem Kruzifix in der Hand abgelichtet wird, dann wissen wir, daß das nicht für Inquistion und Gottesgnadentum steht, sondern für christliche Nächstenliebe. Man muß das nur alles im richtigen Kontext verstehen. Schließlich darf man sich das Vertrauen in eine ordentliche, patriotische und katholische Volksgemeinschaft nicht von ÖVP und FPÖ wegnehmen lassen.

Mario Czerny

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