Seltsame grüne Vorwahlen

(aus der Druckausgabe 16/2019)

Irgendwie holpert bei den Grünen die Listenerstellung für Wahlen immer ein bisserl. Einerseits will man in irgendeiner Weise sinnvolle Kandidaten präsentieren, andererseits soll alles basisdemokratisch sein. Wenns basisdemokratisch ist, dann soll das so sein, daß es am Parteitag nicht ewig dauert. Und dann soll auch nicht der Eindruck entstehen, die Grünen stritten. Ja, und auf alle Fälle muß es sich ausgehen, daß am Schluß nicht mehr Männer als Frauen in den Gremien sitzen. Und man muß natürlich Experten und Expertinnen für alle wichtigen Themen drin haben. Und was wichtige Themen sind, muß man auch erst diskutieren. Oder auch nicht. Sicherheitshalber.

Demenstprechend schaut auch das Procedere für die Bundesrestsstimmenliste am Buko am Samstag aus. Das soll diesmal ganz demokratisch werden, nicht so wie bei der EU-Wahl, wo man schon vorher gewußt hat, wer die zwei zu erwartenden Mandate besetzen soll. Nur ist es halt wieder nicht ganz so. Der Spitzenkandidat Kogler steht nunmal gar nicht zur Debatte. Für Platz Zwei ist ganz offensichtlich wieder einmal eine Vertreterin der Global2000-Seilschaft vorgesehen. Platz Drei wird dann richtig gewählt. Oder? Die Grünen haben am Dienstag Sibylle Hamann als Quereinsteigerin präsentiert, die auch schon ihren Berufswechsel hin zur Politik verkündet hat. Also die kann man dann auch nicht nichtwählen.

Heftig diskutiert wurde auch das Zustandekommen der Wiener Landesliste — das neue Wahlverfahren, das erstmals für die „Spitzenwahl“ in Wien verwendet worden ist, wurde jetzt als Premiere für die Kreation einer ganzen Liste zu Anwendung gebracht. Kritik gab es nicht nur am Ergebnis, sondern auch an der völligen Undurchschaubarkeit des Single-Transferable-Vote-Systems grüner Prägung. Die Erschaffer dieses Systems in seiner Grünvariante bewarben es so: „Wir gehen hier einen progressiven Weg: weg von einem Konkurrenzsystem hin zu einem System, das den kollektiven Willen besser abbildet und repräsentativer ist.“

Allerdings fragten viele in Internetforen danach, wie das System denn nun jetzt ganz konkret funktioniert — veröffentlicht hatten die Grünen das nämlich nicht (oder zumindest nicht so, daß es leicht auffindbar gewesen wäre). Als Service veröffentlicht die akin jetzt den genauen Wahlmodus auf ihrer Website. Allerdings: Wenn ihr dabei nicht durchblickt, seid getrost: Wir auch nicht. -br-

Wahlmodus Wiener Grüne Landesliste:
https://akin.mediaweb.at/gruwahlsys.html

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