Zur Polizei statt in Frühpension

Neues aus der Welt der Arbeitslosen
(aus der Druckausgabe 16/2019)

Das AMS ist manchmal cool. Es schickt zum Beispiel ältere arbeitssuchende Menschen zu einem Englisch-Kurs. Wäre es keine Zwangsmaßnahme, wäre dagegen nicht einmal etwas einzuwenden. Sprachen lernen bildet. Uncool wird es dann, wenn der Unterricht für eine Werbeeinschaltung unterbrochen wird. Den KursteilnehmerInnen eines vom AMS verordneten Englisch-Kurses wurde Ende Juni ein Berater vorgestellt, der einen bei der Arbeitssuche helfen soll oder will. Auch gut. Der Berater gab aber gleich zu Beginn seines Referates Auskunft darüber, dass er schon viele arbeitssuchende Menschenvermittelt hätte, die aber entweder an ihrer von ihm empfohlenen Arbeitsstätte gar nicht erst erschienen wären oder ihren Arbeitsplatz ohne Kommentar wieder verlassen hätten. So versuchte der Herr Berater gleich zu Beginn die KursteilnehmerInnen dazu zu bewegen, ihm mitzuteilen, wenn sie momentan gar keine Lust hätten, eine Arbeitsstelle zu finden. Zum Glück ging kein Kursteilnehmer und keine Kursteilnehmerin auf dieses dubiose Angebot ein, jede vom AMS in diesen Kurs geschickte Person muss ohnehin glaubhaft belegen können, sich mindestens einmal pro Woche irgendwo beworben zu haben.

Nach diesem scheinbaren Verständnis kam der Berater zum Kernpunkt seines Angebotes: Gehen Sie doch zur Polizei! Bei der Polizei könne man sich bis zum 60sten [SIC!] Lebensjahr bewerben, man bekomme dort eine Art Lehre und könne dann Polizist werden. Vorbestraft solle man nicht sein. Das sei alles. Medizinische und sonstige Test vorab wären einfach zu bestehen.

Über seine Unterstützungsmöglichkeiten in anderen Berufsfeldern sprach der Mann nicht. Er bot lediglich an zur Verfügung zu stehen. Auf die Frage einer Kursteilnehmerin, ob dies jetzt eine Werbeeinschaltung für die Polizei sein solle, wusste der Berater keine Antwort. Er rieb sich verlegen die Hände und erklärte die Vorzüge, die es mit sich brächte, Polizist zu werden. Geht’s noch? Ein Kursteilnehmer wollte genaueres wissen, er fragte, ob der Herr Berater auch zu anderen Stellen der Stadt Wien, dem Magistrat oder ähnlichem Kontakt hätte. Darauf gab der Herr Berater eine klare Antwort: Mit dem Magistrat wie mit anderen Stellen der öffentlichen Hand habe er nichts zu tun. Aha, dachte ich mir, aber mit der Polizei als Werbeangebot für arbeitssuchende Menschen hat er schon etwas zu tun. Und zwar nur mit der Polizei, mit keiner anderen Organisation des verwalteten öffentlichen Lebens.

Ich will mich nicht aufregen, es ist nur merkwürdig, dass jemandem, der verspricht, einen bei der Arbeitssuche zu helfen, außer der Polizei (die er sehr schmackhaft zu machen versuchte) so ganz und gar nichts eingefallen ist. Er hatte es sogar verabsäumt, die arbeitssuchenden Menschen nach ihren Qualifikationen und ihrer bisherigen Erwerbsbiographie zu fragen. Den Kommentar einer Kursteilnehmerin, dass das Tragen einer Uniform sowie das Tragen und Benutzen einer Waffe einen nicht unerheblichen Teil dieses Berufsstandes ausmachen würde, nahm der Berater irritiert zur Kenntnis. Um es auf den Punkt zu bringen: Polizist zu werden, wäre nicht sonderlich schwer, der Verdienst könne sich sehen lassen, eine Waffe mit sich zu tragen, bedürfe keiner besonderen Erklärung.

Von Verantwortung hatte der Herr Berater nicht gesprochen, die wollte er überhört wissen, als es um die Frage gegangen ist, dass ein Polizist jederzeit schießen und töten können muss. Und sei es wie in Krems, um einen 14jährigen Buben von hinten zu erschiessen.

*eine arbeitslose*
(Name der Redaktion bekannt)

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