Der Gottseibeiuns der KIV

Was bei der linken Gewerkschaftsfraktion Konsequenz bedeutet

Diese Woche war das KIV-Magazin, Ausgabe September 2019, in der Post. Da kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Dem Aufmacher entnehme ich, daß heutzutage KIV-Gewerkschafter “jung, dynamisch und wendig” seien. So werden nämlich die Personalvertreter der “Generation Y” beschrieben. Okay, ich alter Depp war immer der Meinung, Gewerkschafter sollten stur und konsequent sein, vor allem bei der “Konsequenten
Interessenvertretung”. Gut, das kann eine wenig durchdachte Headline sein, sowas passiert halt.

Weiter innen im Heft allerdings kommt die große Aufdeckerstory: Die “Revolutionär-sozialistische Organisation” versteht sich doch tatsächlich als revolutionär und sozialistisch! Wer hätte das gedacht!

Aber wir kommt es überhaupt zu einer so intensiven, sich über mehrere Seiten ziehenden Auseinandersetzung mit der RSO? Nun, das ist ein schon länger schwelender Konflikt, über den die akin bereits berichtet hat (12/2019): Im Krankenanstaltenverbund (KAV) hatte sich offensichtlich eine Initiative von Beschäftigten gebildet, die sich von KIV und FSG nicht mehr so richtig vertreten fühlt. Und diese Initiative wurde massiv von der RSO unterstützt.

Ob deren Forderungen sinnvoll sind oder nicht, vermag der Autor dieser Zeilen nicht zu beurteilen — die arbeitsrechtliche Situation im KAV ist wohl nur für Eingeweihte verständlich. Was aber verständlich ist, sind Sätze wie diese: “Lukas Lentsch (Gleicher Lohn für gleiche Arbeit) hat am 4.Juli 2019 in unserem Plenum bekanntgegeben, kein Mitglied der RSO zu sein und hat sich von dieser Gruppe abgegrenzt und distanziert. Er ist gewählter Personalvertreter und Gewerkschafter der younion. Und als KIV-Mandatar auch unabhängig von politischen Organisationen.” Ja, das klingt ziemlich nach Abschwören und Lossagung, um wieder in den Schoß der Heiligen Mutter Gewerkschaft aufgenommen zu werden.

Jener Rest hingegen, der in Gewerkschaftslästerung verharrt, wird natürlich in Acht und Bann getan. Denn daß die RSO von der Revolution träumt und dem bürgerlichen Staat und seinen Institutionen nicht wohlwollend gegenüber steht, ist für die KIV inakzeptabel. Das kann man bei einer, sich einstmals zwar als links, aber eben auch reformistisch verstehenden Gewerkschaftsfraktion nachvollziehen. Zum Ende der Abrechnung liest man aber (fett hervorgehoben) Folgendes:

“Über 100 Jahre nach der Oktoberrevolution und 100 Millionen Todesopfer durch die ‘Diktatur des Proletariat’-Phantasie später wissen wir: Derartige Ideologiekonstrukte haben sich in demokratischen Rechtsstaaten völlig zu Recht nicht durchgesetzt.”

Franz Olah hätte es wohl kaum treffender formulieren können. Und der ist ja schließlich auch Gewerkschafter gewesen.

Mario Czerny

Das KIV-Magazin zum Nachlesen:
https://www.kiv.at/wp-content/uploads/2019/09/KIV-Magazin-September_bildschirm-1.pdf

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