warum man eine partei wählt

[redaktionsglosse akin 19/2019 zu „Was Linke wählen sollen – der Sinn einer Stimme“ ]

ich weiß, es war eine zumutung — nicht, was eine partei fordert, sondern welchen konkreten zweck eine stimme für diese erfüllt, ist für die jeweilige partei einfach eine zu seltsame frage. ja, diese dreistigkeit habe ich mir namens der akin erlaubt.

denn was soll das heißen: wozu?

nunja, wenn man selbst bei keiner partei ist und auch der meinung, daß die aussage, daß wahlen verboten wären, wenn sie was bewirken könnten, näher an der wahrheit liegt als die aussage, daß die repräsentative demokratie irgendwas mit volksherrschaft zu tun haben könnte, dann kommt man halt auf so eine frage. denn ganz ohne wirkung ist so eine stimme ja doch nicht — es geht dabei um die gewichtung von detailpositionen innerhalb eines vorgegebenen systems, das selbst nicht zur debatte steht. staat, elitenherrschaft und kapitalismus bleiben uns auf alle fälle erhalten — aber immerhin wird in wahlen entschieden, ob das allergrößte … (klagsfähigen begriff hier bitte selbst einfügen) die meiste macht bekommt oder doch auch leute mitmischen dürfen, die ein bisserl netter sind.

ist das zynisch? nein, nur kynisch und realistisch. und das weiß auch der großteil des wahlvolkes — „die wählen doch nicht zum ersten mal“ läßt qualtinger seinen travnicek sagen und er hat damit recht.

aber eine partei damit zu konfrontieren — wo die basismitglieder sich weiß-gott-was versprechen von einem prozent mehr oder weniger und auf begeisterung für ihre partei machen — und zu hoffen, daß das verstanden wird, ist natürlich schon recht viel verlangt.

denn wie wählt der typische wechselwähler? parteiprogramme liest kaum jemand mehr, weil man ja eh weiß, daß die das papier nicht wert sind. und auch irgendwo programmatische ansagen von spitzenkandidaten oder gar ausgearbeitete konzepte sind für eine wahlentscheidung egal. nein, es wird gewählt entweder nach emotion oder nach taktik.

die emotionen, die heute wahlkämpfe bestimmen, sind positive und negative. bei uns kommt der gesalbte mit positivbotschaften daher, die völlig inhaltslos sind (es ist zeit, unser weg hat erst begonnen) oder schlecht geklaut (einer, der unsere sprache spricht) oder auch komplett widersprüchlich — wie bergwandern im burgenland oder die herkunft aus meidling oder aus dem waldviertel, je wie es die situation erfordert. trotzdem, oder gerade deswegen verfangen diese botschaften. daneben gibts dann die von der FPÖ abgekupferten horroszenarien, daß österreich von bloßfüßigen kameltreibenden vergewaltigern überrollt wird. aber auch hier wieder die positivbotschaft, daß der heiligmäßige ganz alleine die balkanroute geschlossen habe — und er dazu nicht einmal einen silberstein brauchte.

ungekehrt punkten jetzt die grünen ganz gewaltig, weil greta thunberg verkündet hat: „ich will daß ihr panik bekommt“. ecco, panik ist halt ein super wahlkampfmittel.

daß da die sozialdemokratie mit der plakatierten „menschlichkeit“ nicht mithalten kann, ist kein wunder. die können nur punkten mit dem anderen zugkräftigen argument für wechselwähler: taktik. denn nach wie vor ist jenseits des weit rechts stehenden lagers die SPÖ die stärkste partei. deren untergang kann man als fortschrittlich gesinnter mensch nicht erhoffen.

oder man wählt halt wie ich auch diesesmal die kpö, weil man nicht möchte, daß man als ungültig- oder nichtwähler als politisch desinteressiert oder zu blöd zum wählen angesehen wird.

dann gibt es noch die stammwähler, deren großeltern schon die gleiche partei gewählt haben, oder diejenigen, die partout nicht die partei wählen möchten, die schon die altvorderen gewählt haben und die dann das wählen, was diese als die schlimmstmögliche wahlentscheidung ansehen. und natürlich die, die sich von der schier gekauften medialen überpräsenz oder dem siegerimage einer partei überzeugen lassen.

oder man wählt die jeweils als geringstes übel angesehene partie.

so werden wahlen entschieden. aber das gibt halt nur selten eine partei zu. und deswegen konnte auch kaum eine partei wirklich unsere frage sinnvoll beantworten, welchen zweck es eigentlich erfüllt, bei ihrer liste ein kreuzerl zu machen. aber wie gesagt: dieses unverständnis ist sehr verständlich.

bernhard redl

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Ein Gedanke zu „warum man eine partei wählt

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