Though this be madness…

Österreichische Geschichte scheint sich zu wiederholen – ob als Tragödie oder Farce ist allerdings noch nicht heraußen!

Also wie war das? Die ÖVP und die FPÖ beschliessen, gemeinsam eine Regierung zu machen. Dann stolpert die FPÖ über ihre eigenen Füße, woraufhin der ÖVP-Kanzler Neuwahlen verkündet. Diese Wahl gewinnt die ÖVP haushoch – vor allem, indem sie die frustrierten FPÖ-Wähler lukriert. Danach verkündet der ÖVP-Chef mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen.

Kommt das jemandem bekannt vor?

Wie gehts weiter?

Vielleicht so: Die ÖVP führt sowohl mit der SPÖ als auch den Grünen Sondierungsgespräche. Dabei schwärmen die meisten Massenmedien ziemlich unverblümt vom „Charme“ einer schwarzgrünen Koalition. Doch nach monatelangen Verhandlungen werden dieser Gespräche zuerst mit der SPÖ, danach mit den Grünen abgebrochen. Dann geht es aber sehr schnell und eine schwer gedemütigte – und auch hochverschuldete FPÖ – macht der ÖVP das Beiwagerl.

Ob der Parteichef sich dann der „Einzelfällen“ entledigen möchte, um besser zum Kanzler zu passen, und deswegen – und auch wegen der Schulden – eine neue Partei gründet und dann möglicherweise sogar wieder Strache die Rest-FPÖ übernimmt, die erneut Opposition machen kann, ist noch nicht ausgemacht. Aber warum auch nicht? Bei uns in Bagdad ist sogar das möglich. Vielleicht hält dann diese Koalition aus ÖVP und Neu-FPÖ wieder die komplette Legislaturperiode.

Nach diesem Drehbuch ist es schließlich schon mal passiert und sowohl ÖVP als auch FPÖ haben davon profitiert.

Nein, natürlich steckte damals nicht der große Masterplan dahinter. Und Schüssels Ausgangsposition 1999 war eine ganz andere als die 2017 des Gesalbten. Und Schüssel konte auch als Kanzler Wahlkampf führen, während der moderne Heiland den Gekreuzigten gab, der seiner Wiederauferstehung harrte.

Dennoch gibt es da noch eine Parallele: 1995 kündigte der gerade frisch gekürte ÖVP-Chef nach nur einem Jahr Koalitionsregierung die Zusammenarbeit mit der SPÖ auf. Allerdings gewann damals die SPÖ die Wahlen. Herr Schüssel jedoch gewann die Koalitionsverhandlungen – und das, obwohl eine mögliche ÖVP-FPÖ-Koalition nur eine hauchdünne Mehrheit gehabt hätte. Das führte zum bekannten „Des Kaisers neue Kleider“-profil-Cover mit einem nackten Franz Vranitzky und in Folge dessen der Entsorgung des profil-Herausgebers. (Pikanterie am Rande: Damals ließ sich das profil von seinen Raiffeisen-Eigentümern die Schneid abkaufen. Anfang 2019 wollte die „Verlagsgruppe NEWS“ das profil endgültig aus den Fängen von „Kurier“ und Raiffeisen befreien, aber wenige Tage vor der jetzigen Wahl mußte VGN-Chef Horst Pirker verkünden, daß im Gegenteil der Kurier das profil komplett übernehmen werde.)

Und 2008 versuchte sich Willi Molterer, der eher glücklose Stellvertreter Schüssels an der Parteispitze, an einem Neuwahl-Coup – mit seinem sehr eingeprobt wirkenden Sager: „Es reicht“. Allerdings ging diese Wahl für beide Koalitionspartner so katastrophal aus, daß keiner von ihnen eine andere Option zur Regierungsbildung hatte als doch gemeinsam weiterzumachen.

Apropos: „Es reicht! Es gibt nämlich eine Konstante! Die ÖVP hat noch jede Regierung mutwillig in die Luft gesprengt!“ Wer das auch so sieht ist ausgerechnet HC Strache – mit einem Facebook-Posting am 27.Mai.

Auch wenn Strache seine eigene Rolle in der aktuellen Geschichte schon ein bisserl verdreht, so muß man doch sagen: Wenn das Mutwilligkeit ist, so hat es doch Methode.

Bernhard Redl

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