Heute hats der Lehrer schwer!

Mittels eine Handy-App wurde es Schüler_innen ermöglicht, zur Abwechslung einmal ein Urteil über ihre Lehrer_innen abzugeben. Ein Schulleiter bezeichnete diese Vorgehensweise im Ö1-Mittagsjournal von 19.11. als „Unfug“. Es wäre Unfug, Lehrer_innen mit Sternchen zu bewerten.

Warum eigentlich? Lehrer_innen machen das ihr Berufsleben lang, sie fangen mit der Sternchenbewertung an, später gießen sie ihre oft fragwürdigen Beurteilungen in Zahlen von 1 bis 5, knapp vor der Matura kann dies einen Messerstich für einen Schüler, eine Schülerin bedeuten. (Schüler Gerber läßt grüßen.) Selbst ihre Sommerferien genießend, stehlen sie Schüler_innen die Ferien, indem sie sie mit Nachprüfungen quälen. Niemand aber sagt den Lehrer_innen ein Versagen nach, sie müssen nicht zur Nachprüfung, wenn es ihnen ein langes Schuljahr hindurch nicht gelungen ist, Schüler_innen etwas beizubringen.

Ja ja, da schreit der Richter auf, wenn er zum Gerichteten werden soll. Warum fürchten sich Lehrer_innen vor Bewertungen, wo das doch Teil ihrer Arbeitspraxis ist? Nur weil sie selbst auf dem Prüfstein stehen? Wenn das Unfug ist, müssten dann konsequenterweise aber erst einmal die Lehrer_innen ihre Sternchenbewertungen einstellen.

Die Lehrergewerkschaft hat eine ausnehmend gute Idee für ein Feedbackqualitätsmanagement an Schulen. Diese soll nur freiwillig eingeführt werden, man benötige keine Direktiven vom Ministerium. Freiwilliges Feedbackmanagement, wäre angesagt, über das Schulen autonom entscheiden sollen, dabei würde man Schüler_innen einbeziehen. Einbeziehen bedeutet soviel wie: die Schüler_innen sind nur ein Teil der Qualitätskontrolle, das ist ja wohl ein Witz. Und ob da die Anonymität kritischer Schüler_innen gewährleistet werden kann, scheint hier auch in Frage gestellt zu sein. In zahlreichen Bildungsfragen habe ich mich stets gegen eine Standardisierung und quantitative Gleichstellung unterschiedlicher Schultypen ausgesprochen. In diesem Fall geht es aber lediglich um die Frage, ob Schüler_innen finden, dass sie von guten oder schlechten Lehrer_innen unterrichtet werden. Dazu benötigt man keine Differenzierung nach Schule oder Schultyp.

Die Studie ist nicht neu, ich bin ihr auf der Uni, am Institut für Erziehungswissenschaften begegnet, auf die Frage nach ihrer Motivation hat über die Hälfte der befragten PÄDAK-Student_innen die vielen Ferien angegeben. Das sagt wohl alles. Lehrer_innen schreien auf, weil Lernende (die Betroffenen ihres Handelns) ihnen sagen wollen, wie gut sie ihren Beruf ausüben. Was ist daran falsch? Eigentlich ist es ganz einfach mit dem Prinzip von Hierarchie-Autorität-Abhängigkeit zu erklären. Untergebene, Arbeitnehmer_innen, Kinder und junge Erwachsene werden permanent Prüfungsverfahren unterzogen. Die Eltern, Lehrer_innen und Vorgesetzten aber nicht. Die wehren sich. Kein Chef unterzieht sich einem Verfahren, das seinen Mitarbeiter_innen erlaubt, ihn unter dem Strich als menschliches Disaster zu qualifizieren. So sehen sich auch Lehrer_innen. Es hat den Anschein, als würden sie tagtäglich gerne Kritik an Schwächeren üben wollen ohne sich einer Kritik an ihrer Kompetenz stellen zu müssen.

Wenn Lehrer_innen, die unverhohlen Macht ausüben nur eine kleine Minderheit von „schwarzen Schafen“ wären, wäre unser Schulsystem schon längst nicht mehr von diesen Prinzipien durchdrungen, wären alternative pädagogische Ansätze weit über Montessori hinaus bis zu Summerhill längst Alltagspraxis in der Regelschule. Mitunter wird heutzutage Schulschwänzen mit Geldstrafen geahndet. Zahlen muss aber nicht der Lehrkörper, der nicht in der Lage ist, Kindern und jungen Erwachsenen Freude am Lernen zu vermitteln, zahlen müssen die, die keine Lust haben, eine Schulbank zu drücken, auf der sie für sich weder Spaß noch Perspektive erkennen können. Wie wärs wenn sich Lehrer_innen und Schüler_innen das Strafgeld fürs Schwänzen teilen müssten? Oder besser: wie wärs, wenn es sämtliche Strafmechanismen an Schulen nicht mehr geben dürfte? Erst wenn die mächtigen Lehrer_innen nicht mehr sanktionieren dürfen, werden sie sich Alternativen einfallen lassen müssen. Bequem ist der Weg zu sagen: du bekommst schlechte Noten und deine Eltern werde ich auch zu einen Gespräch zwingen, da unterhalten wir uns über das „Problemkind“. Kinder haben ihre Probleme, aber sie sind keine, dazu müssen sie erst von Erwachsenen gemacht werden. Bei den Problem-Machern stehen Lehrer_innen ganz oben auf der Liste.

Dass es bei der Mehrzahl schwarzer Schafe viele engagierte und großartige Lehrer_innen gibt, die sich am Wohl des Kindes orientieren, weiß ich. Aber die würden sich auch nicht empören, wenn Schüler_innen über sie eine Meinung abgeben. Im Gegenteil.

rosalia krenn

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