Schallenberg rettet die Welt

Der Wiener als solcher haßt seine Heimatstadt ja. (Er liebt sie auch heimlich, aber das will er nicht zugeben.) Am Wienerischsten sind diesbezüglich wohl der Waldviertler aus Meidling und sein Oberleutnant. Einer von den beiden schlief neulich wohl schlecht – natürlich aus Sorge um unser aller Heimatland – und hatte einen Traum, in dem ganz Wien in Rauch aufgeht.

Beglückt erzählte der Träumer am nächsten Tag im Ministerrat seine nächtliche Erfahrung und der Außenminister meinte, das träfe sich gut, weil gerade das Atombombenverbot in Kraft getreten sei, da könne man doch ein Video daraus machen. Und man könne so die Österreicher ein bisserl von Lockdown und Impfdesaster ablenken und alle hätten ihren Spaß an ein bisserl Horrorfiktion. Sogar die Wiener, die finden den Tod eh immer lustig. Und weil jetzt eh alle Atomwaffen verboten sind, bräuchte sich jetzt auch keiner mehr davor fürchten.

Die Grünen fanden das super mit dem Verbot, die von der ÖVP nur eher halbgut. Zum Trost für den Waldviertler oder seinen Oberleutnant, wer immer dieser Träumer auch war, versicherte Schallenberg, ganz dem alten Adel verpflichtet, aus dem er ja stammt, daß damit der Traum eh noch nicht ausgeträumt sei und doch noch Wirklichkeit werden könne, denn schließlich hat ja sowieso keine der Atommächte den Vertrag unterschrieben, geschweige denn ratifiziert.

Aber dann hats den Grafen schon gewurmt. Da hat er doch erst neulich im Fernsehen davon geschwärmt, daß mit dem neuen US-Präsidenten jetzt die „transatlantische Freundschaft“ zu Österreich wieder erneuert werden könne. Wie kann man denn diesen längst schon überfälligen Beitritt zur NATO in der Öffentlichkeit verkaufen, wenn die USA auch weiterhin Atommacht bleiben wollen? Ja, man kann sagen, die andern, vor allem die Russen, haben ja auch Atombomben. Und der Iran hat diesen Vertrag ja nur schmähhalber unterschrieben. Aber so wirklich macht das keinen schlanken Fuß.

Demnächst nimmt daher der Herr Graf einen Flieger in die USA und geht zu seinem Spezl Biden mit dem Atomwaffenverbotsvertrag unterm Arm und sagt ihm: „Geh, tätst ma da was unterschreiben? Wengan Weltfrieden warats!“

Und dann verdankt die Welt Österreich und dessen Freundschaft zur USA, daß die erste Atommacht ihr Arsenal verschrottet.

Herr Schallenberg, danke, wir haben Sie immer unterschätzt: Sie haben die Atombombenroute geschlossen! Und das war auch dringend notwendig! Denn natürlich, um Wien wärs ja nicht schad – sofern der Waldviertler Gesalbte, der Oberleutnant und der Graf selbst gerade woanders sind -, aber wenn man eine Atombombe auf diese an sich unnötige Stadt toleriert, könnte die nächste St. Pölten treffen! Oder Ischgl! Das nennt man Pull-Effekt! Und das geht gar nicht!

Da mußte Schallenberg einfach eingreifen! Nochmals, ein großes Dankeschön, Herr Graf, Sie haben die Welt gerettet!

Mario Czerny

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