Katar-Protest: Zu spät und zuwenig

Hat schon jemand gefragt, was die österreichischen Baulöwen dazu sagen?

Die ZiB1 berichtet von den Protesten von Fußballern und Fußballmanagern gegen die Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien in Katar für die Fußball-WM 2022. Sehr engagiert klingt das allerdings nicht vor allem von österreichischer Seite – ja, wir werden auch ein Transparent im Stadion aufhängen, läßt ein Verantwortlicher vernehmen. Dann ist die ZiB auch schon vorbei und es kommt der Spot für die Sport-Berichterstattung, wo mit warmer, verheißungsvoller Stimme das aktuelle Match für die WM-Quali beworben wird. Die Witzlosigkeit des Protests wird da schon sehr deutlich.

Fußballer, die ihr Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen betonen, aber gleichzeitig in den Stadien darum kämpfen, daß ihre Nationalmannschaft mit dabei ist in Katar 2022: Was soll das sein außer Gewissensberuhigung und Alibiveranstaltung?

Denn die Zustände in Katar, wo die Gastarbeiter in der Sklaverei nicht unähnlichen Arbeitsverhältnissen stehen, sind nicht neu. Und das Geloben Katars, hier Verbesserungen zu erreichen auch nicht: „Für die Arbeiter hat sich im vergangenen Jahr nichts geändert. Die einzige Veränderung ist, dass die katarische Regierung die Leugnung der Realität ausgeweitet hat.“ Sagte Sharan Burrow, Generalsekretärin der Internationalen Gewerkschaftsunion ITUC. Zitiert hatte sie die „Welt“. Im Jahre 2015!

Mit anderen Worten: Das ist alles schon seit 7 Jahren bekannt, hat aber den Spitzensport bislang nie geschert. Business as usual – jetzt neu mit einem hübschen Protesschleiferl!

Wen es übrigens auch nicht schert, sind die in Katar beteiligten Baufirmen: „Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern sind wir mit der Umsetzung der bedeutendsten Infrastrukturprojekte des Landes betraut – unter anderem mit dem Bau der Metro Doha und des Al Wakrah Stadions, dem zentralen Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022.“ So liest man es auf der Homepage der PORR Group. Deren Hauptaktionär ist ein gewisser Klaus Ortner – bekanntermassen bestens vernetzt mit der ÖVP. Hat den auch schon mal jemand gefragt, ob er ein schlechtes Gewissen hat?

Bernhard Redl

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