Kriegszitate

[aus akin-Druckausgabe 6/2022]


Feindsender

„Die EU verbietet mit sofortiger Wirkung die Verbreitung der Inhalte der russischen Staatsmedien RT (vormals Russia Today) und Sputnik in der gesamten Europäischen Union. Die bislang beispiellosen Sanktionen gegen die Kremlmedien wurden am Mittwoch im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Es handele sich nicht um journalistische Medien, sondern um Waffen des Kremls in seiner Aggression gegen die Ukraine und in einem Informationskrieg gegen die EU, hatte ein EU-Beamter in Brüssel am Dienstag zur Begründung des Schritts erklärt.“
(Redaktionsnetzwerk Deutschland, 2.3.22, https://www.rnd.de/politik/russische-staatsmedien-eu-verbietet-rt-und-sputnik-SZCTCSZ6INHZPLDG5JV43OE6PY.html )
Ja, die Zensur in Rußland ist wirklich schlimm. Oder wie war das?

Der Feind meines Feindes

„Nach unzähligen Telefonaten in den letzten Wochen haben wir uns am Rande des #NATO-Treffens endlich persönlich sprechen können: vielen Dank, @MevlutCavusoglu, für unsere starke deutsch-türkische Partnerschaft! In der #Russland-Krise stehen wir zusammen.“
… twitterte die grüne deutsche Außenministerin Annalena Baerbock am 4.März. Der Sultan in Ankara wird sich sicher freuen, daß die neue deutsche Regierung kein Problem mehr mit ihm hat.

Habsburger als Befreier

„Universum History: Freiheit für die Ukraine – Der Traum des Wilhelm von Habsburg
Bis heute wird er in der Ukraine als Nationalheld verehrt – Erzherzog Wilhelm von Habsburg-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg befehligte der Erzherzog ein Regiment an der Ostfront, im Gebiet der heutigen Ukraine. Er entwickelte eine geradezu romantische Zuneigung für die Menschen der Ukraine und dieses Grenzland und wollte es als Monarch in die Selbstständigkeit führen…“
(Ankündigung des ORF für eine Doku am 25.Februar)

Einfach das Fliegen verbieten

„Langes betretenes Schweigen: Johnson in Bedrängnis
Eine ukrainische Aktivistin hat mit einem aufsehenerregendem Auftritt bei einer Pressekonferenz den britischen Premierminister Boris Johnson in Bedrängnis gebracht. Die vor einigen Tagen aus ihrer Heimat nach Polen geflohene Daria Kalenjuk warf Johnson und der NATO vor, aus Angst vor einer weiteren Eskalation mit Russland keine Flugverbotszone über der Ukraine errichten zu wollen.“
(ORF online, 1.3.2022)
Da muß man schon froh sein, daß Boris Johnson wenigstens weiß, daß eine Flugverbotszone bedeutet, russische Flugzeuge abzuschiessen und damit einen direkten NATO-Eintritt in einen Krieg gegen eine andere Atommacht.

Die fünfte Kolonne im Untergrund

„The enemy underground: how ‚Putin apologists‘ brought London to a standstill“
Der britische „Telegraph“ vermutet am 2.März die Transportarbeitergewerkschaft von „Putin-Verstehern“ unterwandert und im Streik der Londoner Tube einen russischen Sabotageakt.

Feigheit vor dem Feind

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat aufgrund des russischen Angriffs eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Das bedeutet: Männliche Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren dürfen seit dem 24. Februar das Land nicht verlassen. … Der ukrainische Grenzschutz hat am Mittwoch mitgeteilt, mehr als 60 ukrainische Männer an der Grenze zur Republik Moldau festgenommen zu haben: Die Männer im wehrfähigen Alter hätten versucht, über den Fluss Dnister das Land zu verlassen und seien sofort an das Wehrkreisersatzamt übergeben worden. … Es ist Krieg und Menschen werden daran gehindert, vor ihm zu fliehen. Dabei gibt es keine gute Begründung, warum man speziell Männer dazu zwingt, sich der Gefahr der russischen Invasion auszusetzen, und hofft, dass sie ihr Land verteidigen. … Trotzdem sorgen Meldungen wie die von den an der Flucht gehinderten Männern bisher für wenig Empörung. Zum Teil vielleicht, weil wir uns längst daran gewöhnt haben, dass fliehende Menschen im Mittelmeer ertrinken oder an der EU-Außengrenze erfrieren. Was ist dagegen schon ein Ausreiseverbot? Doch es gibt noch einen anderen Grund: Diese Nicht-Empörung spiegelt ein männliches Ideal wider, das zwar längst veraltet, aber immer noch weitverbreitet ist. Männer müssen ausharren. Männer dürfen vor einem Krieg nicht davonlaufen, sondern müssen zur Waffe greifen und zur Not auch draufgehen. … Nur ein kämpfender Mann ist demnach ein guter Mann. Er ist bereit, für die Nation zu sterben. Seine gute Frau ist die schützenswerte Gebärmaschine, die neue Kämpfer und Gebärmaschinen für die Nation zu produzieren hat – und deshalb überleben soll.“
(„Auch Männer haben ein Recht auf Weglaufen“, Juliane Frisse in „Die Zeit“, 4.3.2022 https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2022-03/ukraine-russland-krieg-maenner-widerstand-flucht )
Fragt sich nur, wieso man derlei in den Massenmedien anscheinend einzig und allein in dieser ansonsten zu Recht als Atlantikerblatt verschrieenen Zeitschrift finden kann.
Zeitungsleser: -br-

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